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Literarische Konstruktionen autobiographischer Subjektivität in der «nouvelle autobiographie»

Samuel Beckett – Nathalie Sarraute – Claude Simon

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Christiane Sauer

Ausgehend von den Essais Montaignes und den Confessions Rousseaus, untersucht die Arbeit Prämissen neueren autobiographischen Schreibens in Frankreich unter Referenz auf zeitgenössische französische Theoriebildungen. Die aus dem nouveau roman hervorgehende nouvelle autobiographie setzt sich aus dokumentarischen bzw. biographischen, (meta-)fiktionalen und (meta-)reflexiven Textfragmenten zusammen, in deren Montage sich die Brüchigkeit und Fragwürdigkeit von Identität spiegelt. Der Hauptteil geht der Frage nach, wie Samuel Beckett, Nathalie Sarraute und Claude Simon in Abkehr von der anti-subjektivistischen Poetik des nouveau roman in ihren zur nouvelle autobiographie zählenden Texten Compagnie, Enfance und Le Jardin des Plantes neue Formen autobiographischer Subjektivität konstituieren. Diese ergibt sich aus dem Zusammenspiel von (Meta-)Reflexion des Schreibprozesses, Werkaufarbeitung und Sprachkonzeption der Autoren und wird im Text in einem performativen Akt ästhetisch realisiert. Die im Text generierte autobiographische Subjektivität verweist nicht mehr auf den Autor als empirische Person, sondern auf eine ästhetische Konzeption, durch die sich ein Künstlersubjekt definiert.

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10 Schlussbetrachtung

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Abschließend ist festzuhalten, dass das anti-subjektivistische Darstellungspro- gramm des nouveau roman in der nouvelle autobiographie nur teilweise über- wunden wird. Die durch die poststrukturalistische Theorie beeinflusste Sprach- wahrnehmung des nouveau roman und die daraus resultierende Krise des Sub- jekts spielen auch in der Konzeption des autobiographischen Schreibens der nouvelle autobiographie eine Rolle. Bleibt das Subjekt im nouveau roman sozi- al, psychologisch und physisch weitgehend unbestimmt, so definiert sich auch das autobiographische Subjekt der nouvelle autobiographie nicht mehr über die- se Kategorien. Autobiographische Subjektivität affirmiert sich nicht mehr im Sinne des traditionellen autobiographischen Schreibens, wie es von Philippe Le- jeune definiert wird. Das Subjekt des autobiographischen Diskurses der nouvelle autobiographie konstituiert sich in einem performativen Akt, im Zusammenspiel von autobiographischem Diskurs, Werkaufarbeitung, künstlerischer Konzeption sowie individueller Wirklichkeitserfahrung. Es kann immer nur eine Form auto- biographischer Subjektivität erlangt werden, die für den Moment des Schreibens Bestand hat. Der Autor als Subjekt bleibt bis zu einem gewissen Grad entmächtigt, seine Funktion erweist sich aber als bedeutender als die eines Arrangeurs fremder Diskurse bzw. die eines bricoleur im Sinne Roland Barthes’. Er ist Vermittler einer künstlerischen Konzeption, die über die narrativen Strategien und den Dis- kurs ins Werk eingeschrieben wird. In einem performativen Akt erschafft er eine Form autobiographischer Subjektivität, die nicht mehr auf ihn als empirische Person verweist, sondern auf ein Künstlersubjekt, das sich über sein Werk und dessen ästhetische Konzeption definiert. Diese spiegelt sich in der nouvelle au- tobiographie insbesondere in der Form...

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