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Von Scargill zu Blair?

Der britische Bergarbeiterstreik 1984-85 als Problem einer europäischen Zeitgeschichtsschreibung

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Arne Hordt

Der Bergarbeiterstreik von 1984-85 steht, wie kein zweites Ereignis, für den Kampf um den britischen Sozialstaat in den 1980er Jahren. In dieser Arbeit werden Kriterien für eine neue, kulturhistorisch informierte, sozialgeschichtliche Sicht auf den Bergarbeiterstreik entwickelt und die noch immer gebräuchlichen zeitgenössischen Begriffe der 1980er Jahre wie «industrieller Niedergang», «Strukturwandel», «Thatcherismus» und «Klassenkampf» historisch kontextualisiert und dekonstruiert. Die bisherigen Deutungsmuster sind dem zeitgenössischen Wahrnehmungshorizont von industriellem Niedergang und Klassengegensatz verhaftet. Die vorhandene Literatur muss daher als Quelle für den Konflikt selber gelesen werden. Durch diese Historisierung der Forschung kann der Autor überzeugend eine Neuerforschung des Bergarbeiterstreiks unter regionalen und europäischen Gesichtspunkten einfordern.

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II. Europäische Zeitgeschichte Großbritanniens in den 1980er Jahreschreiben – Skizze eines Problems

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17 II. Europäische Zeitgeschichte Großbritanniens in den 1980er Jahre schreiben – Skizze eines Problems a. Gedanken zu Streik als Gegenstand einer europäischen Zeitgeschichtsschreibung Aufgrund des besonderen Ziels dieser Arbeit, das darin besteht, sozialwissen- schaftliche und historische Darstellungen eines Ereignisses zu dekonstruieren und damit zu historisieren, ist der theoretisch-methodische Teil der Arbeit aus der Einleitung „ausgelagert“ und zu einem eigenen Kapitel geworden. Dieses Kapitel gliedert sich in zwei größere Teile, einen, der die Möglichkeiten, Streik zum Gegenstand einer europäischen Zeitgeschichtsschreibung zu ma- chen, analysiert, und einen zweiten Teil, der versucht die „historischen Be- dingungen“ der 1980er Jahre in Großbritannien neu zu bewerten. Beide Her- angehensweisen dienen dem Ziel der Historisierung der Literatur. Die „euro- päische Zeitgeschichte“ bezeichnet den theoretisch-methodischen Rahmen der angestrebten Historisierung, die Dekonstruktion der historischen Bedin- gungen ist das praktische Mittel der Historisierung. Mit dem Schlagwort „europäische Zeitgeschichte“ nimmt die Arbeit eine Forderung aus einem programmatischen Aufsatz Jost Dülffers im ersten Heft der Zeithistorischen Forschungen auf.12 Dülffers Ansatz verspricht sowohl methodischen als auch inhaltlichen Gewinn für die Arbeit. Europäische Zeit- geschichte soll nationale Meistererzählungen überwinden. Um dies zu leisten, muss sie die etablierten Narrative der nationalen Historiographien entschlüs- seln und unabhängig von ihnen Kategorien einer europäischen Zeitgeschichte entwickeln.13 Besondere Leistungsfähigkeit verspricht sich Dülffer davon bei der Beschreibung „sektoraler Gewalt- und Leidphänomene“, da eine europäi- sierte Zeitgeschichte eher dazu in der Lage sei, von Identifikationsbedürfnis- sen im Rahmen nationaler...

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