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40 Jahre Leichenshow – Leichenschau

Die Veränderung der audiovisuellen Darstellung des Todes im Fernsehkrimi "Tatort</I> vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wandels im Umgang mit Sterben und Tod

Stephan Völlmicke

«Tod im Fernsehen» und «Tod in der Realität» haben auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun, auf den zweiten Blick jedoch ist auch der fiktive Tod in Film- und Fernsehsendungen immer ein Produkt des Umgangs mit dem Tod in der Gesellschaft und umgekehrt. Die Arbeit beschäftigt sich mit der Darstellung des Todes in den Medien, speziell im Tatort, und reflektiert dabei den Umgang mit Sterben und Tod in der Gesellschaft. In einer Langzeituntersuchung werden die Veränderungen der filmisch-gestalterischen Mittel der Todesdarstellung in der Krimireihe Tatort analysiert. Die Arbeit zeigt, dass es eine offensichtliche Tendenz zu immer längeren und gleichzeitig sehr nahen, distanzarmen Todesdarstellungen gibt, die eine bis dahin ungewohnte, sehr direkte und detailreiche Perspektive auf den toten Körper offeriert. Die Arbeit macht zudem deutlich, dass die Gründe für die zunehmenden und drastischeren Todesdarstellungen im Fernsehen nicht ausschließlich auf ihren hohen Unterhaltungswert zurückzuführen sind, sondern dass die gesellschaftlichen Veränderungen im Umgang mit Sterben und Tod einen wesentlichen Einfluss auf die Art und Weise der Todesdarstellungen im Fernsehen haben. Die Erzählungen vom Tod in den Medien thematisieren die in der Gesellschaft vorherrschenden Definitionen von Tod.

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8. Die derzeitige Abfilmung der Leichen im Tatort (Intervall 2001-2010)

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Die Analyse auf der Ebene der Ästhetik und Gestaltung in Kapitel 7 hat gezeigt, dass sich die Art der Leichenabfilmung in allen untersuchten Kategorien und Ausprägungen innerhalb von 40 Jahren signifikant verändert hat. Die Ergebnisse der Längsschnittstudie belegen, dass Leichen inzwischen sehr direkt, detailliert und intensiv abgefilmt werden. Diese Entwicklung zeichnet sich in allen analy- sierten Kategorien in besonderem Maße seit Beginn des dritten Intervalls (1991- 2000) ab. Im Bereich der Ästhetik und Gestaltung sind die Todesdarstellungen im dritten und vierten Intervall ähnlich intensiv und direkt. An dieser Stelle werden als Zusammenfassung der Analyseergebnisse nur die momentan übli- chen Leichendarstellungen und deren wichtigste Charakteristika im Tatort her- ausgestellt (Intervall 4: 2001-2010). Dabei wird exemplarisch die audiovisuelle Gestaltung des Todes im Tatort beschrieben. Die Darstellung des Todes ist im vierten Intervall (2001-2010) in Bezug auf die filmisch-gestalterischen Mittel so intensiv und direkt wie nie zuvor in der Geschichte der Krimireihe. Es ist erkennbar, dass die Dauer (Summe der Einstellungslängen) und die Häufigkeit (Anzahl der Einstellungen) der Leichenabfilmungen im vierten Inter- vall die anderen Intervalle erheblich übersteigen. Ebenfalls belegen die Mittel- werte der Anzahl der Subsequenzen mit vier Subsequenzen, dass der Darstel- lung von Leichen im vierten Intervall erheblich mehr Sendezeit zur Verfügung gestellt wird als in den vorherigen Intervallen. Die durchgeführte Analyse belegt zudem, dass im vierten Intervall die Anzahl der dargestellten Toten den Höhe- punkt erreicht. Die Leichenabfilmungen finden zu 88% mit der Ausprägung ‚Leiche‘ und ‚Leiche Spezialeffekt‘ statt. Das...

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