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Zwischen Ritual und Tabu

Interaktionsschemata interkultureller Kommunikation in Sprache und Literatur

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Edited By E.W.B. Hess-Lüttich, Aleya Khattab and Siegfried Steinmann

Rituale und Tabus dienen in allen Gesellschaften zur Regulierung von sozialem Handeln, insofern sie Erwartungen über Ordnungsmuster und Verhaltensschemata festigen sowie Sanktionsmechanismen für regelwidriges und regelkonformes Verhalten bereitstellen. Die Regeln für Rituale und Tabus indes sind nicht immer leicht und allgemein zu formulieren, denn sie können nicht nur in hohem Maße von Kultur zu Kultur variieren, sondern auch innerhalb einer Gesellschaft gibt es hochgradig gruppen- und situationsspezifische Unterschiede. Insoweit Rituale und Tabus sprachlich sedimentiert und Gegenstand ästhetischer Modellierung sind, finden sie auch in den Textwissenschaften zunehmend Beachtung. Während Interaktionsrituale heute etablierter Gegenstand der Linguistik sind, bleibt die Untersuchung gerade von verbal manifestierten Tabus weiterhin Desiderat der Sprach- und Kulturwissenschaften im Allgemeinen sowie wie der interkulturellen Germanistik im Besonderen. Rituale als zugleich traditionsbildende und ordnungsschaffende routinisierte Handlungen und Tabus als zugleich selektiv wirkende und mit Sanktionen belegte Handlungen, sind symptomatisch für spezifische kulturelle Identitäten und führen im Falle von unterschiedlicher kultureller Prägung zu einem besonders starken Fremdheitserleben. Lerner einer fremden Sprache sollten daher nicht nur für die Tabus der Eigen- und Fremdkultur sensibilisiert werden, sondern auch ein Arsenal an Reparaturmechanismen und Kompensationsstrategien an die Hand bekommen, um im Falle einer Tabuverletzung dem Abbruch der Kommunikation entgegensteuern zu können. Dies aber führt zu der Frage, welche sprachlichen Mittel eine Bewältigung bzw. im Vorhinein eine Vermeidung von Tabus ermöglichen. Dazu kann auch die verständige Lektüre ihrer literarischen Problematisierung fruchtbar beitragen.

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II Tabus im DaF-Unterricht

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159 Tabus im DaF-Unterricht – Ein Tabu? Riham Tahoun (Universität Heluan) Abstract The following article describes an online-module of an intercultural training for learners of German as foreign language at Egyptian Universities in Cairo. The intercultural training aims to develop new interactive strategies to in- crease the intercultural competence of learners towards the foreign cultures and the understanding and acceptance of own and foreign rituals and taboos. Einleitung Zu den Zielen des Germanistikstudiums im Ausland gehört nicht nur, die Sprachkompetenz der Studierenden, sondern auch die Fremdkulturen- kompetenz zu entwickeln, die als Teil ihrer interkulturellen Qualifikation gesehen werden soll. Zu einem Kulturraum gehören neben politischen und wirtschaftlichen Normen Denk- und Verhaltensnormen, die über Ge- nerationen hinweg tradiert werden. Aufgrund ihres dynamischen Cha- rakters unterliegen sie einem ständigen Wandel. Dazu gehören Tabus. Tabus sind nach Schröder in Anlehnung an Kraft (cf. 2004:205-211): Meidungsgebote bzw. negative Konventionen […] Tabus markieren Grenzen des Handelns, Redens und Denkens, ohne das zu Meidende direkt und expli- zit benennen zu müssen. Tabus verdecken wunde Punkte bzw. potentiell Schmerzhaftes einer Gemeinschaft, sichern die Überlebensfähigkeit des Ein- zelnen und der Gruppe. Durch Vereinfachung regeln sie das soziale Zusam- menleben, machen bestimmte Auseinandersetzungen überflüssig und verhin- dern soziale Konflikte (Schröder 2008: 55). Die Tabus sind laut dieser Definition tief in der eigenen Kultur verwur- zelt, was den Umgang mit fremdkulturellen Tabus für einen Außenste- henden erschwert, wenn er sie nicht kennt. Der Risikofaktor ergibt sich daraus, dass die Tabus...

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