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Wie von Gott reden?

Ansätze der Theologie im 20. Jahrhundert

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Hanjo Sauer

Das 20. Jahrhundert zeichnet sich durch tief greifende Umbrüche in der Theologie aus. In sehr unterschiedlichen Ansätzen suchen Theologen und Theologinnen unter den Bedingungen ihrer Zeit das Geheimnis Gottes zur Sprache zu bringen. In dreißig Porträts werden diese Ansätze mit besonderer Berücksichtigung der Verflechtung von Biografie und Werk kurz dargestellt. Neben ausführlichen Literaturhinweisen ist jeweils ein Originaltext beigefügt. So soll deutlich werden, welche Herausforderung es darstellt, authentisch von Gott zu reden.

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2. Der „dramatische Charakter“ der Zeit – Das zwanzigste Jahrhundert

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25 vollkommen überzeugt war, bis Weihnachten wären alle Soldaten längst wieder zuhause. Die Begeisterung zu Beginn des Krieges am 1. August 1914 schien keine Grenzen zu kennen. Es wurde geschätzt, dass allein im ersten Kriegsjahr über eine Million Gedichte geschrieben wurden. Rainer Maria Rilke (1875 –1926) machte keine Ausnahme. Er schrieb in einem Hymnus an den Krieg: „Zum ersten Mal seh ich dich aufstehn/ hörenge- sagter fernster unglaublicher Krieger-Gott. / Wie so dicht zwischen die friedliche Frucht / furchtbares Handeln gesät war, plötzlich erwachse- nes. / Gestern war es noch klein, bedurfte der Nahrung, mannshoch / steht es schon da: morgen / überwächst es den Mann. Denn der glühen- de Gott / reißt mit Einem das Wachstum / aus dem wurzelnden Volk, und die Ernte beginnt. / Menschlich hebt sich das Feld ins Menschengewitter. Der Sommer / bleibt überholt zurück unter den Spielen der Flur. / […] Endlich ein Gott. Da wir den friedlichen oft / nicht mehr ergriffen, ergreift uns plötzlich der Schlacht-Gott, / schleudert den Brand: und über dem Herzen voll Heimat / schreit, den er donnernd bewohnt, sein rötlicher Himmel.“4 Und der Schriftsteller Thomas Mann sinniert noch in seinen „Betrachtungen eines Unpolitischen“: „Den Krieg für eine unsterbliche Einrichtung zu halten, für ein unentbehrliches revolutionäres Mittel, der Wahrheit auf Erden zu ihrem Recht zu verhelfen, ist auch heute noch möglich, obgleich er sich durch den Fortschritt seiner Technik selbst ad absurdum gef...

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