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Frühe Formen musikalisch-rhetorischer Figuren

Ausdrucks- und Gestaltungsmittel in Vokal- und Instrumentalmusik des 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts

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Nora Verena Hülsen

Ausgehend von der Musica poetica Joachim Burmeisters werden in dieser Arbeit musikalisch-rhetorische Figuren als verbreitetes Phänomen schon des 16. Jahrhunderts untersucht. Dabei läßt sich ein Bogen schlagen von der frankoflämischen Schule über die beiden Gabrieli in Venedig bis hin zu deren Schülern, zu Schütz und schließlich bis zu Monteverdi. In dieser Epoche und bei diesen Komponisten werden Grundzüge, Figuren-«Vorläufer», Tendenzen, Ausdifferenzierungen und Entwicklungen aufgezeigt. Unter Einbeziehung zeitgenössischer theoretischer Traktate, die immer mehr Regeln zur Textvertonung bieten, wird verdeutlicht, daß die Grundgedanken der Burmeisterschen Lehre längst nicht nur in der Praxis verankert waren. Dabei bleibt selbstverständlich die Nähe von Seconda pratica und musikalisch-rhetorischen Figuren nicht unberücksichtigt, ebenso wie der Affektausdruck in der Instrumentalmusik.

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2. Komponisten der späten frankoflämischen Schule

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Den ersten Analysen von Wort-Ton-Beziehungen mögen – wie angekündigt – einige Aussagen des Musiktheoretikers Franchino Gaffurio19 (1451-1522) vor- ausgehen, um dem Leser eine Vorstellung davon zu geben, was um 1500 bereits von der Vertonung eines Textes im besonderen erwartet wurde. 2.1 Theoretischer Teil: Gaffurio In seiner Practica Musicae (Mailand 1496; verfaßt 1480-83) macht Gaffurio, seines Zeichens Komponist, Domkapellmeister und eine Autorität als Theoreti- ker, der unter anderem in Mantua, Genua, Neapel und Mailand wirkte, darüber hinaus mit Leonardo da Vinci befreundet war, zunächst einige recht allgemeine und vage Bemerkungen hinsichtlicht von Wort-Ton-Beziehungen bzw. hinsicht- lich der Verbindung von Redekunst und Musik. Nach Berufung auf antike (Red- ner-) Autoritäten, auf „einflußreiche Männer, welche Literatur aus der Musik gelernt“ hätten, die Gaffurio in seiner Widmung erwähnt, z. B. konkreter auf Quintilians Wertschätzung der Musik (die Musiktheorie sei die älteste der Wissen- schaften20, d. h. auch älter als die Redekunst), erklärt Gaffurio eine wichtige Funk- tion der Pause: Die Pause diene der Lieblichkeit des Gesanges; denn wie ein Ver- kündiger des göttlichen Wortes oder ein Redner oft ein unwilliges und ruheloses Publikum durch eine Art Scherz besänftige und es aufmerksamer und geneigter mache, so erhalte sich der Sänger, der einige Pausen zwischen den Noten einfüge, die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer für die übrigen Teile seines Liedes21. – Dies 19 auch: Gafori oder Franchinus Gaffurius 20 „quod gravissimorum virorum testimonio cprobat est: q se nihil aliud ex Musice...

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