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Frühe Formen musikalisch-rhetorischer Figuren

Ausdrucks- und Gestaltungsmittel in Vokal- und Instrumentalmusik des 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts

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Nora Verena Hülsen

Ausgehend von der Musica poetica Joachim Burmeisters werden in dieser Arbeit musikalisch-rhetorische Figuren als verbreitetes Phänomen schon des 16. Jahrhunderts untersucht. Dabei läßt sich ein Bogen schlagen von der frankoflämischen Schule über die beiden Gabrieli in Venedig bis hin zu deren Schülern, zu Schütz und schließlich bis zu Monteverdi. In dieser Epoche und bei diesen Komponisten werden Grundzüge, Figuren-«Vorläufer», Tendenzen, Ausdifferenzierungen und Entwicklungen aufgezeigt. Unter Einbeziehung zeitgenössischer theoretischer Traktate, die immer mehr Regeln zur Textvertonung bieten, wird verdeutlicht, daß die Grundgedanken der Burmeisterschen Lehre längst nicht nur in der Praxis verankert waren. Dabei bleibt selbstverständlich die Nähe von Seconda pratica und musikalisch-rhetorischen Figuren nicht unberücksichtigt, ebenso wie der Affektausdruck in der Instrumentalmusik.

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4. Theorie, kritisierte Praxis und ,Zweite Praxis‘

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Eine ausführliche Betrachtung theoretischer Aussagen zur Wort-Ton- bzw. Af- fekt-Ton-Beziehung ist hier erneut notwendig und soll den Untersuchungen der Kompositionen Claudio Monteverdis vorangestellt werden, um an diesem Punkt, der sozusagen die Wasserscheide zwischen Prima und Seconda pratica darstellt, und der andererseits auch fast ein Jahrhundert Entwicklung zwischen sich und den Ansichten Gaffurios weiß, festzustellen, wie die bisherige Kompositionspraxis nun kritisiert wird und sich zunehmend der Schwerpunkt auf die freiere Darstel- lung des Affektes verlagert. 4.1 Theoretischer Teil 4.1.1 Die Theoretiker Zarlino und Galilei Der Willaert-Schüler Gioseffo Zarlino (1517-1590) wurde von seinen Zeitgenos- sen als Komponist geschätzt, Berühmtheit erlangte er aber als Musiktheoretiker, besonders durch seine schon zu seinen Lebzeiten mehrfach nachgedruckten Istitutioni harmoniche (Venedig 1558). 1565 folgte er Willaert und de Rore als Kapellmeister von San Marco im Amt nach. Die Ausführungen Zarlinos zur Wort-Ton-Beziehung in seinen Istitutioni harmoniche müssen selbst hier auf die markantesten und aufschlußreichsten beschränkt werden, da sich in unzähligen Kapiteln die verschiedensten kleineren Hinweise zu diesem Thema finden127. Im Vorwort kündigt Zarlino bereits an, im vierten Teil seines Buches darzule- gen, wie die Harmonien den Worten zugeordnet werden sollen, d. h. dieser As- pekt ist ihm offensichtlich ein wahres Anliegen128. Doch schon im dritten Buch (über den Kontrapunkt) finden sich wesentliche Aussagen über den Effekt von Dissonanzen, den man durchaus auf den Affektausdruck übertragen könnte, so z. B. in Kapitel 17: „Jene Intervalle, die dissonant sind, erzeugen einen für das Ge- 127 Wenn auch...

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