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Neue Stimmen aus Österreich

11 Einblicke in die Literatur der Jahrtausendwende

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Edited By Joanna Drynda and Marta Wimmer

Dieser Sammelband ist österreichischen Autorinnen und Autoren gewidmet, die in den letzten zwei Dekaden an die Öffentlichkeit getreten sind. Ein summarischer Überblick über die thematischen und ästhetischen Schwerpunktsetzungen in der jüngsten Literatur bildet den Ausgangspunkt für die Reflexion textvermittelter Befindlichkeiten zu Anfang des 21. Jahrhunderts. In den Einzelanalysen werden aus unterschiedlichen Perspektiven die Werke von Michaela Falkner, Milena Michiko Flašar, Olga Flor, Reinhard Kaiser-Mühlecker, Julya Rabinowich, Angelika Reitzer, Kathrin Röggla, Clemens J. Setz und Vladimir Vertlib beleuchtet. Das Buch ist das Ergebnis eines bilateralen, polnisch-österreichischen Projekts, deshalb wird auch nach der Präsenz junger österreichischer AutorInnen auf dem polnischen Buchmarkt gefragt.

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Anna Rutka (Lublin). „Der subversive Mut zur Naivität”. Zu Vladimir Vertlibs europäischen Familienromanen

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92 Anna Rutka Anna Rutka (Lublin) „Der subversive Mut zur Naivität”. Zu Vladimir Vertlibs europäischen Familienromanen Der 1966 in Leningrad/St. Petersburg geborene Schriftsteller Vladimir Vertlib ist ein Autor, dessen Biographie zur Prämisse des literarischen Erzählens wurde. Seinen Romanen liegen Exil-Erlebnisse zugrunde, die er selbst als Kind und Jugendlicher durchmachen musste. Bereits mit sechs Jahren emigrierte er mit seinen Eltern nach Israel. Später folgten weitere Zwischenstationen – Österreich, Holland, Italien, die USA – und schließlich übersiedelte die Familie endgültig nach Wien, wo Vertlib das Studium der Volkswissenschaft absolvierte und seit 1993 als freier Schriftsteller abwechselnd in Wien und Salzburg lebt. Der Autor wehrt sich jedoch dagegen, seine Literatur als reine Autobiographie misszuverstehen und weist auf die fiktive Dimension seines Schreibens hin, die „eine Mischung aus Erlebtem, Hinzugedachtem und Assoziiertem“191 ist. Gute Literatur, so lesen wir in seinen Dresdner Poetikvorlesungen, entsteht, „[s]oweit die Fiktion als Ergänzung zu Selbsterlebtem eine symbolische und allgemein gültige Dimension besitzt“.192 Jene exemplarische Allgemeingültigkeit verdichtet sich bei Vertlib in seinen Grundthemen Emigration und Exil, welche in der Optik des Autors als ein internationales Phänomen und wesentliches Merkmal unserer Zeit aufgefasst werden.193 Der globale Aspekt des Exils umfasst die zentralen Begriffe von Vertlibs Literatur wie Fremdheitserfahrungen, Heimatlosigkeit, Mehrsprachigkeit und Mehrfachidentitäten, die für die Gegenwart aus den Paradoxien und Uneindeutigkeiten der Geschichte resultieren. Diese Uneindeutigkeiten und Widersprüche sind auch in der öffentlichen Wahrnehmung der Person des Autors und der Zuordnung seiner Literatur präsent, wenn...

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