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Tradition und Utopie

Eine Werkschau zum 70. Geburtstag des Komponisten Wilfried Hiller

Edited By Gunter Reiß

Die jüngst einsetzende wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Werk des Komponisten Wilfried Hiller, geboren 1941, wird hier dokumentiert mit dem Blick auf die Werke der späten Schaffensjahre: Die Analysen reichen vom biografisch-historischen Kontext des Chagall-Zyklus über die zentralen Werke des Hillerschen Kindermusiktheaters ( Das Traumfresserchen, Peter Pan, Pinocchio), die Fallstricke der Nonsense-Oper Die Jagd nach dem Schlarg, die mythologischen Grundlagen des Buchs der Sterne, die Lebensballade Oswald von Wolkenstein bis zu den theologischen Fundamenten der Jesus-Oper Der Sohn des Zimmermanns. Die Verankerung des Hillerschen Œuvres in der Musik- und Kulturgeschichte von rund 2.000 Jahren und die daraus sich entfaltenden musikalischen Utopien prägen die methodologische Breite der hier versammelten interdisziplinären Beiträge. Ein autobiografischer Essay Hillers beschreibt seinen Weg zu Carl Orff.

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Wilfried Hiller (München): Morgenstund hat Gold im Mund. Mein Weg zu Carl Orff

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Wilfried Hiller (München) Morgenstund hat Gold im Mund. Mein Weg zu Carl Orff Im Humanistischen Gymnasium St. Stephan in Augsburg hatten wir einen äu- ßerst mäßigen Musikunterricht. Woche für Woche mussten wir die Tonleiter mit ihren Silben bi to gu su la fe ni bi rauf-und runter singen. So ist es kein Wunder, dass ich den Namen unseres Musiklehrers längst vergessen habe. Er lebt nur noch durch seinen Spitznamen in meiner Erinnerung fort: bi-gu-la. Der Deutschunterricht bei einem Dr. Uhl war dagegen für mich richtig aufre- gend. Uhl ging mit uns die Märchen der Brüder Grimm durch und veranschau- lichte sie durch die Opern Hänsel und Gretel sowie Die Kluge und Der Mond von Carl Orff, indem er uns Schallplatten vorführte. Das war ein so intensives Hineintauchen in die Klangwelt der Musik, wie ich es später am Konservatorium kaum noch erleben konnte. Ich weiß noch heute, was mich seinerzeit so an den Orffschen Märchenopern fasziniert hat: der völlig organische Aufbau, der Ablauf und das Ineinandergrei- fen der Tonarten, die penetranten Wortwiederholungen, der Sprachwitz der Strolche und Burschen, der Unterhaltungswert einiger Szenen wie das „Lied von der Treue“, das ohne den Einfluss durch die Comedian Harmonists nicht denkbar ist. Hinzu kam der fließende Übergang von Musik in Sprache und umgekehrt. Ich war dem Musiktheater verfallen, obwohl ich damals nur die musikalische Oberschicht kennengelernt hatte und nicht das, was hinter den Noten steht. 1957 kam ich ans Augsburger Leopold-Mozart-Konservatorium,...

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