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Zauberschwert und Teufelsmesser

Zur Kulturgeschichte von Messern und Klingen in der populären Erzähltradition

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Heinz Huther

Schneidende und stechende Werkzeuge, vom Messer bis zur Schere, Beil und Axt, und Hieb- und Stichwaffen wie Schwert, Säbel und Dolch sind in populären Volkserzählungen, insbesondere in Sage, Märchen und Schwank, unentbehrlich und als Reflex der in ihnen gespiegelten Lebenswirklichkeit fast allgegenwärtig. Die Texte und die ihnen gewidmete Forschung behandeln sie auffällig beiläufig, fast geringschätzig. Die zutreffende Bewertung ihrer Rolle setzt eine umfassende Bestandsaufnahme und den Vergleich ihrer Erscheinungsformen voraus. Die hiermit vorgelegte Bestandsaufnahme berücksichtigt ausgehend von den Märchen und Sagen des Altertums, des Mittelalters und der Neuzeit auch das europäische und das deutsche Kunstmärchen. Über 140 ausgewertete Sammelwerke dürften einen repräsentativen Überblick ermöglicht haben. Populäre Erzählungen fast aller Zeiten und Völker, insbesondere aber Märchen, schildern Zerstückelungen von Menschen und Tieren, vor allem Enthauptungen, was zu intensiven Diskussionen über die Zuträglichkeit solcher Themen nicht nur für Kinder führt. Die bisherigen Deutungen des Phänomens werden gesichtet, ergänzt und erweitert. Als wesentliche Funktionen schneidender und stechender Geräte kommen die des schlichten Werkzeuges in Betracht, die des Verbrechenswerkzeuges, aber auch – nicht selten als Teil einer magischen Dreiheit – die als Träger dieser Magie, als Brücke in das Reich des Jenseitigen und nicht zuletzt als Manifestation des Unbewussten. Linien in die Gegenwart volkstümlicher Literatur schließen die Gesamtschau ab.

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Dank

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Die Arbeit vieler Generationen von Märchen- und Sagenforschem des deutsch­ sprachigen Raumes hat einen schier unübersehbaren Schatz an populären Er­ zählungen gesammelt, gesichtet, bewertet und zugänglich gemacht. Häufiges Motiv von Märchen und Sagen ist die Gewinnung und Bearbeitung des Eisens und die Herstellung und Verwendung von eisernen Werkzeugen, insbesondere des Messers, und von Blankwaffen, insbesondere des Schwertes, sowie ihre oft schicksalhafte Rolle für die handelnden Personen dieser Erzählungen. Langjähri­ ge Lektüren und Sammeltätigkeit führte zu der Erkenntnis, dass diese Rolle häu­ fig übersehen wird und zudem bisher kaum zusammenfassend gewürdigt wurde. Dass die hiermit vorgelegte Darstellung von „Klingenmotiven“ in der populä­ ren Erzähltradition das wohlwollende Interesse und die Förderung eines der be­ deutendsten Sagenkenner der Gegenwart gefunden hat, wurde zum Glücksfall. Herrn Professor Dr. Leander Petzoldt danke ich daher für die intensive Betreu­ ung der Arbeit und ihre Übernahme in die von ihm herausgegebene ethnographi­ sche Schriftenreihe. Dank gebührt den Einrichtungen, die meist sehr entgegenkommend die für notwendig erachteten Illustrationen zur Verfügung gestellt haben, vor allem dem Deutschen Klingenmuseum in Solingen (Frau Direktorin Dr. Barbara Grotkamp- Schepers, Herrn Lutz Hoffmeister), dem Oberhausmuseum Passau (Herrn Dr. Max Brunner, Herrn Adolf Hofstetter), den Kunstsammlungen der Veste Coburg (Herrn Dr. Alfred Gelbig) sowie Herrn Herbert H. Westphal (32805 Horn-Bad- Meinberg). Die großzügige Förderung durch die Ernst-Pietsch-Stiftung erleichterte die Finanzierung des Druckes. Die Betreuung des Manuskriptes und der Druckle...

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