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Liebe als Metapher

Eine Studie in elf Teilen

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Edited By Walter Delabar and Helga Meise

Liebe ist alles Mögliche und zeigt alles Mögliche an: den Zustand einer Gesellschaft, die Möglichkeit einer Handlungsalternative, ein utopisches Gesellschaftsmodell, andererseits kann sie auch eine Form sozialer Disziplinierung sein oder eine Möglichkeit von Herrschaft. Ausgehend von den Schäferspielen des 17. Jahrhunderts, die nicht einfach nur als Spielform zu verstehen sind, die dem Zeitvertreib geschuldet ist, sondern auch gesellschaftspolitische Bedeutung haben, wird der Umgang mit erzählten Liebesbeziehungen untersucht. Beiträge aus der Literatur-, Kunst- und Kulturwissenschaft fragen anhand künstlerischer Produkte seit der frühen Neuzeit nach der Bedeutung von Liebe.

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Herders Anthropologie und die Funktion einer Sprache der Liebe und Freundschaft (Ulrike Wagner)

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Herders Anthropologie und die Funktion einer Sprache der Liebe und Freundschaft Ulrike Wagner Herder ist uns heute am besten bekannt als derjenige unter den Denkern der Aufklärung, der mit radikaler Schärfe gegen die universalistischen Vorstel- lungen seiner Epoche vorging. Er drängte seine Zeitgenossen, Kunst, Hand- lungsweisen und Ereignisse anderer Zivilisationen als an den Ort und die Zeit ihrer Entstehung gebunden zu interpretieren und nicht die eigenen Wertvor- stellungen als Beurteilungsmaßstab anzulegen. Die Fokussierung auf diesen kulturrelativistischen Ansatz drängte seine anthropologischen Interessen, die allen seinen Untersuchungen zur Literatur und Kultur des Altertums zugrun- de liegen, in der Forschung in den Hintergrund. Basierend auf Texten wie Denkmal Johann Winkelmanns (1777) und der poetologischen Schrift Über Bild, Dichtung und Fabel (1798) wird dieser Aufsatz hingegen zeigen, dass Herders Anthropologie berücksichtigt werden muss, um Ansatz und Rich- tung seines Geschichtsverständnisses umfassender begreifen zu können. Das wissenschaftliche Interesse am Menschen rückt eine Dimension seines Denkens in den Vordergrund, welches bestehende bzw. auf sein Ge- schichtsverständnis konzentrierte Interpretationsmodelle nicht erklären kön- nen. Interessanterweise spielen die sonst so zentralen Fragen der kulturellen Differenz zwischen dem Altertum und dem 18. Jahrhundert im Zusammen- hang mit Herders Erforschungen menschlichen Verhaltens eine eher unterge- ordnete Rolle. Er führt seine Literatursammlungen, Übersetzungen und Um- dichtungen von kulturell unterschiedlichster Provenienz in erster Linie als Orte ein, die menschliche Sinnstiftungskonzepte thematisieren und uns mit den ältesten Modellen menschlicher „Selbstschöpfung“ bekannt machen.1 Seiner Auffassung nach hat die sich zu diesem...

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