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Die Stellung des Ehegatten im nordischen Erbrecht

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Susanne Markmiller

Das Familiengefüge ändert sich, das Erbrecht hingegen wird nicht oder nur geringfügig geändert. Die nordischen Länder haben die wandelnden Familienmuster erkannt und deshalb ihr Erbrecht, insbesondere die erbrechtliche Stellung des Ehegatten, sukzessive erweitert und gestärkt. Dabei hat zuletzt Dänemark im Jahr 2008 das Erbrecht tiefgreifend reformiert und sich hierbei am praktischen Bedarf und dem mutmaßlichen Erblasserwillen orientiert: Pragmatisch wurden dazu die Testamentspraxis der vergangenen Jahre erhoben und ausgewertet und die Erkenntnisse im Gesetzgebungsverfahren berücksichtigt. Ein untypisches Vorgehen im Vergleich zur positivistisch geprägten Gesetzgebung Österreichs. Und auch die auf Rechtsharmonisierung bedachten Länder Norwegen, Dänemark und Schweden sind bei den letzten Reformen und Gesetzesänderungen jeweils eigene Wege gegangen. In diesem Buch wird nach einer kurzen Einführung in den nordischen Rechtsraum und die Problematik des Ehegattenerbrechts sowie einem Überblick über das Ehegattenerbrecht Österreichs die Stellung des Ehegatten in den Erbgesetzen der genannten drei nordischen Länder dargestellt. Im Wege der Rechtsvergleichung wird die jeweilige erbrechtliche Stellung des Ehegatten im Erbrecht der untersuchten Länder gegenübergestellt.

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3. Kapitel: Die Grundlagen der Ehe und des Erbrechts

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Die Stellung des Ehegatten im Erbrecht ist bereits Gegenstand zahlreicher Fach- aufsätze und Überlegungen, gerade in den 60er- und 70er Jahren, gewesen und hatte in den hier untersuchten Rechtsordnungen zur Folge, dass das Ehegatten- erbrecht früher oder später durch eine Erhöhung der Erbquote gestärkt wurde. So einfach diese Erkenntnis ist, so schwer ist es, die Familie und Ehe sowie deren Rechts- und Auswirkungen, beispielsweise im Erbrecht, rechtlich zu be- gründen. Im Rahmen der vorhandenen Abhandlung sollen nur die wichtigsten Begründungen kursorisch dargelegt werden, um die Problematik der Stellung des Ehegatten im Erbrecht zu skizzieren. 1. Die Familie Die Familie gilt als die älteste Form sozialer Bindung52 und damit als engste und natürliche Verbindung. Die Familie stellt damit ein sozial geprägtes Gebilde dar, welche sich trotz ihrer Konstanz in einem laufenden Wandel befindet53. Während Familien früher bzw. in einfachen Gesellschaften nicht nur auf Grundlage von Blutsverwandtschaft organisiert waren, sondern vielmehr in Ab- stammungslinien, wobei die Verwandtschaft entweder nach der männlichen oder der weiblichen Linie bestimmt worden ist, ist in neuerer Zeit die Grundlage der Familie nicht mehr in der Verwandtschaft, sondern in der Heirat zu sehen54. Dies geht auf die wichtigsten Veränderungen innerhalb der Familie zurück. Hierzu zählt sicherlich der Wandel von der Großfamilie, unter Einschluss des Gesindes als Produktions- und Lebensgemeinschaft, hin zur so genannten Klein- oder Kernfamilie55. Diese Veränderung ist in Ausmaß und Erscheinungsbild differenziert zu betrachten, gehört jedoch zu den...

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