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Goethes «Faust» in Hollywood

Motive der Tragödie und des Themas in ausgewählten Filmen

Sven-Ole Andersen

Gerade Goethes Faust eignet sich als Vorlage für Hollywoodfilme. Allerdings handelt es sich dabei um Adaptionen und Transformationen der Thematik, nicht um direkte Übernahmen. Gründe dafür liegen u. a. in den unterschiedlichen politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Situationen, die das Deutschland der Goethezeit und das moderne Amerika kennzeichnen. Doch wie schon im Faust zählen heute die positive Auflösung des Konfliktes und eine Liebesbeziehung zu den Bestandteilen eines modernen Hollywoodfilms. Ziel des Buches ist es daher, den Zusammenhang zwischen dem literarischen Werk Faust, in der Version von Johann Wolfgang von Goethe, und amerikanischen Filmversionen darzustellen, die den Pakt des modernen Subjekts mit dem Teufel beinhalten oder bei denen es sich um eine Variation des Faustthemas handelt. Dabei soll deutlich werden, dass diese modernen amerikanischen Filme sich bei der Abbildung problematischer aktueller Gesellschaftsentwicklungen in Amerika auf die Faustproblematik stützen, die bereits von Goethe beschrieben wurde, jedoch keine identischen Übernahmen sind.

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Das Papiergespenst der Gulden:Der Verkauf der Seele für Geld bei Goethe und in den Filmen Wall Street, Devil’s Advocate und Boiler Room

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133 Das Papiergespenst der Gulden: Der Verkauf der Seele für Geld bei Goethe und in den Filmen Wall Street, Devil’s Advocate und Boiler Room „Ich sag‘ es dir: ein Kerl, der spekuliert, Ist wie ein Tier auf dürrer Heide“ Die Gulden aus dem Zitat in der Überschrift, welches dem zweiten Teil von Goethes Faust (V. 6198) entnommen ist, stehen als ein Synonym für finanzielle Liquidität und bezeichnen generell Reichtum. Die Attraktivität von Reichtum und seiner Wirkung auf Menschen kann in ihrer extremsten Form als Gier be- schrieben werden. Die fatalen Auswirkungen eines Tatendranges, der auf die Vermehrung des persönlichen Reichtums ausgerichtet ist, können dann „ge- spenstische Züge“ annehmen, wie dies die letzte moderne Wirtschaftkrise wir- kungsvoll unterstrichen hat. Das Papiergespenst weist im zweiten Teil von Goe- thes Faust auf den verheerenden Versuch einer Währungsreform im Kaiserreich hin, unter anderem durch die Einführung von Papiergeld. Die Darstellung einer auf reiner Spekulation beruhender Vermögensbildung, wie sie der Dichter be- schreibt, wird in modifizierter Form ebenso in Hollywoodfilmen verwendet, da sie selbst im neuen Jahrtausend nichts an Aktualität verloren zu haben scheint. Im Faust wird dabei jedoch beschrieben, wie die Staatsfinanzen ohne Wertabde- ckung manipuliert werden und dies die Arbeit des Teufels ist. Mit der Darstel- lung von Vorgängen im modernen Finanzsystem im Film wird eine Kritik am amerikanischen Kapitalismus deutlich, hervorgehoben durch die Verwendung der Thematik vom Verkauf der Seele für Geld, wobei die Präsenz eines Teufels...

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