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Zeichen und Stil

Der Mehrwert der Variation- Festschrift für Beate Henn-Memmesheimer

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Georg Albert and Joachim Franz

Sprache ist stets eingebettet in historische Situationen, in denen Akteure spezifische Interessen verfolgen. Die Auswahlentscheidungen, die sie dabei bezüglich sprachlicher Zeichen treffen, sind soziolinguistisch interpretierbar. Der Fokus auf Varianten als interpretierbare Zeichen führt dann auch zur Einsicht in die unterschiedliche Interpretierbarkeit sprachlicher Zeichen je nach sozio-kulturellem Kontext. Sprachliche Handlungen in ihrem sozio-kulturellen Kontext zu interpretieren ohne auf verallgemeinerbare Aussagen über die Struktur einer Sprache zu verzichten, stellt für die Sprachwissenschaft noch immer eine lohnende Herausforderung dar. Der Band vereint Beiträge, die sich zu dieser Herausforderung positionieren und sich mit den unterschiedlichen Ansätzen in den Forschungsarbeiten von Beate Henn-Memmesheimer beschäftigen.

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Variation und Stil

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Wissenschaftliche Schreibstile Georg Albert Der Beitrag widmet sich stilistischen Besonderheiten wissenschaftlicher Texte und zeigt an diesem Beispiel, dass Stil mehr ist als bloßes „Orna- ment“ (vgl. Sandig 2 2006, 19). Nach einigen grundsätzlichen Überlegungen zu Variation und Stil liegt das Hauptaugenmerk des Beitrags auf syntakti- schen Phänomenen, die als typisch und stilprägend für fachwissenschaftli- che Prosa wahrgenommen werden. Konkret geht es um die Beschreibung und Bewertung von Nominalisierungen bzw. komplexen Nominalphrasen sowie um Passivkonstruktionen. Sprachwissenschaftliche Perspektiven wer- den sowohl deutsch- als auch englischsprachiger Ratgeberliteratur zum wissenschaftlichen Schreiben gegenübergestellt. Vor diesem Hintergrund wird abschließend die in den meisten Ratgebern erkennbare instrumentelle Sprachauffassung kritisiert sowie die Erkenntnisfunktion von Sprache bzw. sprachlichen Varianten thematisiert. 1. Variation wissenschaftlichen Schreibens Gegenwärtige Wissenschaftsstile sind das Ergebnis einer Ablösung wissen- schaftlicher Diskurse von anderen, etwa religiösen Diskursen sowie einer Disziplinierung der Wissenschaften, vor allem einer Trennung in Geistes- und Sozialwissenschaften einerseits und Naturwissenschaften andererseits (vgl. Auer / Baßler 2007, 9; Graefen / Thielmann 2007, 68). Als Merkmale wis- senschaftlichen Schreibens gelten „Ungeschmücktheit“ (Weinrich 1994, 7), exakter, distanzierter und rationaler Sprachgebrauch (vgl. Mair 2007, 159; Auer / Baßler 2007, 12; Fix 2011, 18). Die Variation wissenschaftlicher Schreibstile jenseits dieser allgemeinen Merkmale kann auf sehr unterschiedlichen Ebenen beschrieben werden, relativ bekannt wurde die sehr pauschale Charakterisierung Johan Galtungs von vier Kulturkreisen (Galtung 1985). Genauere Differenzierungen können sich auf Einzelsprachen beziehen (vgl. Eßer 1997, Schwarze 2007), Diszipli- nen oder Schulen und Gruppierungen innerhalb von Disziplinen...

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