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«Ernst ist das Leben, heiter die Kunst.»

Das Humor-Konzept im Dramenwerk Frank Wedekinds

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Joanna Firaza

Vor dem Hintergrund der Geschichte des Humor-Begriffs versucht die Arbeit diese für Frank Wedekind grundsätzliche ästhetische Kategorie zu verorten. Aus der oft verfehlten Rezeption und dem eigenen Anspruch des Dramatikers resultiert eine frappante Spannung. Neue Akzente im Hinblick auf die Verwendung des Terminus manifestieren sich vordergründig im Formalen. Im Rückgriff auf die Mittel des Performativen gibt sich der Humor als eine komplexe ästhetische Antwort Wedekinds auf den Zustand der Kultur und die Kondition des Individuums. In der Ordnung der Kunst nimmt der Dramatiker somit eine vitalisierende Korrektur des mit dem Label Humorlosigkeit belegten Geistes des Wilhelminismus und seiner Literaturen vor.

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VII. Die Humor-Chiffre: Der Stein der Weisen

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Dem im Frühjahr 1909 entstandenen Einakter Der Stein der Weisen oder Laute, Armbrust und Peitsche. Eine Geisterbeschwörung1060 gebührt eine besondere Stellung in der Konstellation des Humorbegriffs, da dieser hier personifiziert auftritt. Im Urteil des Autors zählt das Stück zu seinen besten Werken: im offe- nen Brief an Franz Pfemfert, den Herausgeber der Zeitschrift Aktion schreibt er Folgendes: „Geben Sie als Leiter der Aktion mir Gelegenheit, eines meiner Dramen: Der Stein der Weisen oder Laute, Armbrust und Peitsche, Totentanz, So ist das Leben oder Musik aufzuführen, so werden Sie Ihren Lesern dadurch das künstlerisch und inhalt- lich Beste vermitteln, was ich zu bieten habe.“1061 Der Stein der Weisen gilt als das erste ganz in Versen verfasste Stück Wede- kinds,1062 mit mannigfaltig gestaltetem Rhythmus, mit einigen hymnischen und liedartigen Einlagen. Der performative Aspekt des Stücks unterstützt eine De- montage auf der ideologischen Ebene: die Handlung spielt im ausgehenden 15. Jahrhundert – in einer Umbruchszeit zwischen Mittelalter und Renaissance, als das Gott-zentrierte Weltbild einem anthropozentrischen weichen musste. „Die ganze Geisteshaltung der Renaissance“, so Huizinga in seinem Homo Ludens, sei Spiel.1063 Da das Moment der Um- und/oder Desorientierung für Wedekind von großer Relevanz ist, nimmt er sich immer wieder religiöser Fragen (wie z.B. in der ‚Theodizee‘ Zensur) bzw. biblischer Motive (z.B. in Simson) an. Der Untertitel des späten Stücks Franziska. Ein Mysterium signalisiert den Versuch einer Synthese von Antike und Christentum. In Der Stein der Weisen erschüttert...

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