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Selbstreflexion im Narrenspiegel

Die Hofnarrenporträts von Diego Velázquez

Saskia Jogler

Im Laufe seiner Karriere als Hofmaler Philipps IV. malte Velázquez eine bemerkenswerte Anzahl von Narrenbildnissen, die durch ihre unkonventionellen Sujets und technische Brillanz hervorragen. In der Studie wird diese Werkgruppe erstmals in ihrem einstigen Bezugssystem verortet und zusammenhängend erforscht. Hängungskontexte werden rekonstruiert, Ikonografien eingehend analysiert und die Bedeutung der Gemälde für Velázquez’ künstlerisches Selbstverständnis herausgestellt. Daneben werden kunst-theoretische Aspekte zur Porträtmalerei und der Kunst der Täuschung detailliert diskutiert. Durch zusätzliche interdisziplinäre Vergleiche mit Narrenfiguren aus Literatur und Theater erschlieerschließen sich Velázquez’ Narrenporträts erstmals in einem umfassenden kunst- und kulturgeschichtlichen Kontext.

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3 Die Narrenserie in der Torre de la Parada

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Bereits kurze Zeit nachdem die Bauarbeiten am Buen Retiro zum Abschluss ge- kommen waren, richtete Philipp IV. seine Aufmerksamkeit auf ein neues Vor- haben: Den Umbau des kleinen Jagdpalasts Torre de la Parada (Abb. 3.1) und dessen Ausstattung mit einem eigens für diesen Zweck geschaffenen Bildpro- gramm.606 Das Projekt war zwar wesentlich kleiner dimensioniert als der Neu- bau des ausgedehnten Madrider Vergnügungspalasts, bot aber gerade aufgrund der Überschaubarkeit der Räumlichkeiten, der kurzen Zeitspanne der Umbauar- beiten sowie der speziell für diesen Zweck in Auftrag gegebenen Gemälde die Möglichkeit einer einheitlichen Gesamtkonzeption. Das Jagdschloss diente den spanischen Königen als Herberge während mehrtägiger Jagdunternehmungen in den Wäldern des El Pardo. Die Hohe Jagd galt als ehrbare Freizeitbeschäftigung des Adels,607 die auf der einen Seite als Schule des Kriegswesens608 praktische Zwecke besaß, auf der anderen Seite aber auch geselliges Vergnügen und Entspannung609 versprach. Entsprechend bot 606 Zur Ausstattung der Torre de la Parada vgl. die grundlegende Monografie von Alpers 1971, siehe dazu auch die kritischen Besprechungen in: Liess, Reinhard: Die Kunst des Rubens. Braunschweig [u. a.] 1977, vor allem S. 449-457; Simson, Otto von: Peter Paul Rubens (1577-1640). Humanist, Maler und Diplomat (Berliner Schriften zur Kunst, 8). Mainz 1996, S. 476-486; Glang-Süberkrüb, Annegret: Torre de la Parada – einige Anmerkungen. In: Eveliina Juntunen und Zita Á. Pataki (Hg.): Rubens im Blick. Ausgewählte Werke unter Re-vision (CISA, 3). Stuttgart 2007, S. 69-108. 607 Die Hochwildjagd war Privileg des Adels; als...

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