Show Less

Die Taliban in den Stammesgebieten Pakistans

Eine sicherheitspolitische Analyse der Jahre 2001–2011

Series:

Carsten Michels

Der Sturz des Taliban-Regimes in Afghanistan gegen Ende 2001 setzte Entwicklungen in Gang, welche die über Jahrzehnte weitestgehend friedlichen pakistanischen Stammesgebiete (FATA) zu einer durch Kämpfe und Anschläge geprägten Region haben werden lassen. Militante Islamisten verfolgen seitdem von hier aus ihre regionalen und internationalen Ziele – auch gegen Deutschland. Die Studie behandelt die Frage nach der Herstellung von Sicherheit in den FATA und stützt sich auch auf die Analyse der sicherheitspolitischen Akteure. Die Schlussfolgerungen legen nahe, die Politik gegenüber den FATA mehr im historischen und regionalen Kontext zu formulieren. So erscheinen die Erfahrungen der Offiziere der «British Raj» dienlicher, als die Hatz nach raschen Ergebnissen im Korsett des «US War on Terror».

Prices

Show Summary Details
Restricted access

2 Begriffserklärungen und Untersuchungsfortgang

Extract

Bei der vorliegenden Untersuchung handelt es sich um eine Neukonzep­ tion: eine strategisch-qualitative Konfliktanalyse, die es an einem staats­ theoretischen Sonderfall durchzuführen gilt: ein Gebiet mit sehr stark begrenzter Staatlichkeit. Bei der Ausrichtung der Untersuchung wird ein noch genauer zu definierender Sicherheitsbegriff die zentrale Position einnehmen. Im einleitenden Kapitel wurde darauf hingewiesen, dass die Stam­ mesgebiete eine Reihe staatstheoretischer Besonderheiten vorweisen. Zu denken ist an die von den Regierungen in Kabul nicht anerkannte Staatsgrenze zu Afghanistan und vor allem an den semi-autonomen Sta­ tus mit der fast vollständigen Abwesenheit staatlicher Institutionen, wie sie sich in der modernen, westlichen Welt nach dem Westfälischen Frie­ den herausgebildet, und die Funktion der Herstellung und Gewährleis­ tung von Sicherheit übernommen haben.65 Es stellt sich deshalb zunächst die Frage, wie die FATA staatstheoretisch einzuordnen sind. Für die politikwissenschaftliche Forschung ist Sicherheitspolitik in Räumen begrenzter Staatlichkeit ein recht junges Gebiet. Geprägt von Jahrzehnten der Konfrontation zwischen den Staaten der NATO und des Warschauer Paktes, wurde sich vornehmlich auf Konflikte zwischen souveränen Nationalstaaten oder Staatenverbünde konzentriert.66 Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts und dem Aufbrechen verdeckter, un­ terdrückter oder nicht beachteter Konflikte, tritt auch die politikwissen­ schaftliche Forschung aus ihren Denkgrenzen heraus. In den vergange­ nen Jahren wurden Modelle und Kriterien entwickelt, die den Versuch unternommen haben, Räume, die sich dem Modell des souveränen Nati­ onalstaates entziehen, zu beschreiben und Kriterien aufzustellen, die ei­ 65 Vgl. Meyers, Reinhard: Krieg und Frieden, in: Woyke, Wichard (Hg...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.