Show Less

Alexander von Humboldts Metaphysik der Erde

Seine Welt-, Denk- und Diskursstrukturen

Hans-Otto Dill

Anhand Alexander von Humboldts amerikanischem Reisewerk ( Reise in die Äquinoktialgegenden des neuen Kontinents, Politische Essays über Mexiko und Kuba) wird in dieser Untersuchung in Verbindung mit der Erdphilosophie seines Kosmos nachgewiesen, dass dessen Denk- und Diskursstrukturen auf einem in der Dialektik Erde-Mensch kulminierenden System von Binomen beruhen. Mit ihrer Hilfe sei es dem preußischen Natur- und Kulturwissenschaftler gelungen, wesentliche kausalgenetische Zusammenhänge zwischen der spezifisch lateinamerikanischen Natur und den indigen-kreolischen Gesellschaften auf diesem Subkontinent aufzudecken. Auch die respektiven Unterschiede zu Europa lassen sich mit dessen anderer Natur und Kultur – im Unterschied zu rassistischen und biologistischen Theorien – erklären.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Drittes Kapitel: Die Kultur der Tiefebenen und Bergeshöhen

Extract

Montanwissenschaft als unterirdisches Reisen Des Natur- und Geowissenschaftlers Humboldts terrestrisches Komple- ment zur Horizontale ist die Vertikale in den beiden aus menschlicher Perspek- tive möglichen Richtungen; nach unten ins Erdinnere, nach oben auf Berges- höhen. Die seine Karriere als Erdwissenschaftler entscheidende Eroberung dieser Dimension hing mit seinem Studium der Montanwissenschaften an der Bergakademie Freiberg und seiner Praxis als Bergassessor in Bayreuth und Ansbach zusammen, die ihn in Plutos Region des Unterirdischen führten. Manche Biographen meinen entsprechend einem romantischen Klischee von der Unvereinbarkeit von Neigung und Beruf in der bürgerlichen Gesellschaft, er habe diese prosaische Aktivität nur mit Blick auf eine gutdotierte Verwaltungsfunktion aufgenommen. Doch noch der alte Humboldt erinnert sich gern der während seiner Freiberger Studentenzeit selbständig unternommenen Experimente und seiner aus freien Stücken, nicht von Amts wegen durchgesetzten Maßnahmen wie eine von ihm erfundene Schutzmaske für Bergleute und kostenlose berufliche Schulungen für letztere. Sein montan- wissenschaftliches Studium und die Bergbeamtentätigkeit waren keineswegs von außen aufgezwungene Entscheidungen. Das schon als Kind in Tegel begonnene, sowohl unterirdische wie montan-alpestre „Botanisieren“ wurde zur Dauerbeschäftigung, während vom Erdengrund gelöste theoretische Gebiete wie Physik oder Chemie wenig Anziehungskraft auf ihn ausübten. Seine Vorliebe für das Wort „tellurisch“, griechisch „Scholle“, statt „Erde“, das in scheinbarer Tautologie sowohl „Erdreich“ wie Erdinneres“ meint, hat hier ihren Ursprung. Irgend existiert ein oszillierender ontischer Zusammenhang zwischen beiden Konnotationen von „Erde“. Seine Freiberger Studien galten nicht nur den mineralischen, metallischen, im „Erdreich...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.