Show Less

Arbeitsfelder der Jugendsprachforschung

Studienbuch für Lehre und Forschung

Series:

Joachim Gerdes

In diesem Band sollen Annäherungen an das Phänomen der deutschen Jugendsprache aus unterschiedlicher Sichtweise vorgenommen werden. Ein solcher multiperspektivischer Ansatz erscheint geeignet, der Vielschichtigkeit und Sperrigkeit des sich einer monosemischen Definition widersetzenden Forschungsgegenstandes hinreichend gerecht zu werden. Jedes der elf Kapitel ist dabei einer linguistischen Teildisziplin verpflichtet, darunter Grammatik, Soziolinguistik, Textlinguistik, Kulturwissenschaft, Sprachkontaktforschung, Sprachwandelforschung und Sprachkritik. Die Frage, ob die Jugendsprache die Substanz der historisch gewachsenen und im Laufe der Kulturgeschichte verfeinerten deutschen Sprache subversiv untergräbt oder ob ihr sprachhistorischer Wert in ihrem enormen sprachschöpferischen Potenzial ruht und sie damit die Vorhut des weder vermeidlichen noch umkehrbaren kontinuierlichen Sprachwandels bildet, ist kaum definitiv zu beantworten. Ziel der Monographie ist daher vielmehr mithilfe unterschiedlicher Ansätze einen möglichst umfassenden Überblick über Erscheinungsformen der (deutschen) Jugendsprache zu präsentieren und zur weiteren Vertiefung der einzelnen Forschungsansätze anzuregen.

Prices

See more price optionsHide price options
Show Summary Details
Restricted access

12 Sprachdidaktik − Jugendsprache im Unterricht

Extract

Ebenso wie der kulturelle und kommunikative Wert der Jugendsprache wird auch die Frage kontrovers diskutiert, ob – und gegebenenfalls wie – man das komplexe Varietätenbündel der Jugendsprachen im Unterricht für Deutsch als Fremdsprache einsetzen könnte, sollte oder müsste (vgl. Bayer 1984; Neuland 2008, 161-179; Klose, Maijala, Gansel in Neuland 2007, 267-314 u.a.). Das Grunddilemma, das sich den Lehrenden dabei stellt, ist die Frage, ob ausschließlich prinzipiell normgerechtes Standarddeutsch unterrichtet werden soll, das in den Medien, im Berufsleben und an den Universitäten, besonders im Schriftverkehr verwendet und gefordert wird, oder ob auch Umgangssprache, Slang, gesprochenes Deutsch und schließlich auch Jugendsprache vermittelt werden kann oder muss, damit die Schüler im Alltag (Schüleraustausch, Urlaub, Aupair-Aufenthalt, Praktikum etc.) Gleichaltrige besser verstehen und mit ihnen besser interagieren können. Die Antwort auf diese Frage setzt eine grundsätzliche Reflexion über die Lernmotivation voraus, die auch für die Gesamtzielsetzung des Fremdsprachen- unterrichts je nach Institution, Lehrpersonal, Lernerzusammensetzung etc. relevant ist: Je nach persönlicher Präferenz und institutionellem Rahmen sind zahlreiche Motivationen für ein Deutschstudium denkbar, die vom Bedürfnis, die Werke Thomas Manns im Original lesen zu können bis zum Wunsch, Rap- und Hip-Hop-Texte verstehen oder sich im Urlaub ausreichend verständigen zu können, reichen. Unabhängig von persönlichen Motivationen gibt es in zahlreichen Ländern eine große Menge von Schülern, die schlichtweg vom jeweiligen Lehrplan oder aufgrund elterlicher Entscheidung mehr oder weniger zum Studium des Deutschen gezwungen werden. Im...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.