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Der Status von «bekommen» + «zu» + Infinitiv zwischen Modalität und semantischer Perspektivierung

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Anne Jäger

Durch Grammatikalisierung entwickeln lexikalische Zeichen zunehmend grammatische Funktionen. So können aus ehemals konkreten Verben schließlich Hilfsverben entstehen. Das deutsche Verb bekommen erfüllt in Verbindung mit Partizipien bereits grammatische Funktion (Stichwort: Rezipientenpassiv). Doch bekommen findet auch mit zu-Infinitiven Verwendung. Aus dem Englischen und anderen Sprachen ist bekannt, dass Verben aus dem Umfeld von bekommen durch die Kombination mit Infinitiven modale Bedeutung – oft im Sinne von Erlaubnis, Möglichkeit oder Notwendigkeit – erlangen können. Aber wie sieht es im Deutschen aus? Eine breit angelegte Korpusanalyse des heutigen Deutschen klärt Verwendungsmuster, Bedeutung und Funktion von bekommen mit zu-Infinitiv und zeigt den Stand der Auxiliarisierung.

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5 Die Konsumverben im bekommen-Komplex

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5.1 Semantische Beschreibung Die Klasse von Verben, die nach den Wahrnehmungsverben am häufigsten mit dem bekommen-Komplex auftritt, lässt sich im weitesten Sinn als Konsumver- ben charakterisieren. Unter den Korpusbelegen mit mindestens zweistelligen Belegzahlen zählen essen (96), lesen (46), trinken (19), kaufen (13) und fressen (10) dazu. Zudem sind mit vier Belegen schlucken und mit jeweils einem Beleg auch noch futtern, rauchen und verkosten zu dieser Klasse zu rechnen. Mit 191 Belegen insgesamt zeichnen die Konsumverben für 16,34% der Belege verant- wortlich. Gemeinsam mit den Wahrnehmungsverben ergibt das bereits 93,59% der Gesamtbelege. Die Konsumverben bilden eine weniger kohärente Klasse als die Wahrneh- mungsverben, können aber allesamt unter dem Aspekt des Konsumierens be- schrieben werden. Zum einen gehören Verben dazu, die wie essen, trinken und fressen tatsächliche Nahrungsaufnahme zum Ausdruck bringen. Zum anderen sind aber auch Verben wie lesen und kaufen vertreten, die andere Formen des Konsums zum Inhalt haben. Ihnen allen gemeinsam ist die semantische Objekt- stelle, die in ihrem Konzept angelegt ist.116 Schließlich setzt Konsum voraus, dass etwas vorhanden ist, das konsumiert werden kann. Infolgedessen handelt es sich bei den Konsumverben um transitive Verben und im Korpus finden sich bei ihnen nicht mehr als zwanzig Belege, in denen die Objektstelle unbesetzt bleibt. Das VALBU (Schumacher et al. 2004) listet für sämtliche hier unter dem Merkmal des Konsumierens zusammengefassten Verben (außer schlucken, das nicht erfasst ist) mehrere verschiedene Les- und Gebrauchsarten auf, die nicht alle unbedingt nur...

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