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Der Status von «bekommen» + «zu» + Infinitiv zwischen Modalität und semantischer Perspektivierung

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Anne Jäger

Durch Grammatikalisierung entwickeln lexikalische Zeichen zunehmend grammatische Funktionen. So können aus ehemals konkreten Verben schließlich Hilfsverben entstehen. Das deutsche Verb bekommen erfüllt in Verbindung mit Partizipien bereits grammatische Funktion (Stichwort: Rezipientenpassiv). Doch bekommen findet auch mit zu-Infinitiven Verwendung. Aus dem Englischen und anderen Sprachen ist bekannt, dass Verben aus dem Umfeld von bekommen durch die Kombination mit Infinitiven modale Bedeutung – oft im Sinne von Erlaubnis, Möglichkeit oder Notwendigkeit – erlangen können. Aber wie sieht es im Deutschen aus? Eine breit angelegte Korpusanalyse des heutigen Deutschen klärt Verwendungsmuster, Bedeutung und Funktion von bekommen mit zu-Infinitiv und zeigt den Stand der Auxiliarisierung.

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6 Die Handlungsverben im bekommen-Komplex

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201 6 Die Handlungsverben im bekommen- Komplex 6.1 Semantische Beschreibung Die dritte Klasse von Verben, die im bekommen-Komplex in der Infinitivpositi- on zu finden ist, lässt sich unter dem einigermaßen losen Oberbegriff der Hand- lungsverben zusammenfassen. Bei dieser Gruppe von Verben handelt es sich weniger um eine kohärente Klasse, als vielmehr um eine Sammlung von Ver- ben, die keiner der anderen Verbklassen zugeordnet werden können. Unter den insgesamt 19 Verben ragt eines jedoch aufgrund seiner zweistelligen Belegzah- len deutlich hervor: fassen (44). Darüber hinaus gehören zu den Handlungsver- ben im bekommen-Komplex: tun (5),128 packen (4), sprechen (4), greifen (2), mieten (2), tragen (2), arbeiten (1), atmen (1), lachen (1), lästern (1), lösen (1), plätten (1), sagen (1), schleppen (1), spielen (1), stopfen (1), verdienen (1) und zahlen (1). Mit 75 Belegen machen die Handlungsverben insgesamt nur 5,60% der Belege aus und besitzen somit einen wesentlich geringeren Stellenwert als die Wahrnehmungs- und die Konsumverben. Dennoch verfügt insbesondere die Kombination aus bekommen und zu fassen über Charakteristika, die eine genau- ere Betrachtung rechtfertigen. Anders als bei den Wahrnehmungs- oder Kon- sumverben handelt es sich beim prototypischen Subjektsaktanten von fassen nämlich nicht um einen Experiencer oder einen Rezipienten, sondern um ein Agens. Im VALBU (Schumacher et al. 2004) und im E-VALBU ist fassen nicht verzeichnet. Das WDG (2003) hingegen listet zehn verschiedene Lesarten von fassen auf (vgl. Tab. 54). Im bekommen-Komplex sind jedoch nicht alle diese Lesarten vertreten. Vergleiche: (285)...

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