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Autarke Kommunikation

Wissenstransfer in Zeiten von Fundamentalismen

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Edited By Matthias Ballod and Tilo Weber

Die Vielfalt der Kommunikationsformen und -anlässe in modernen Gesellschaften beinhaltet Chancen und Risiken gleichermaßen. Kommunikation lässt sich offenbar weder im Schriftlichen noch im Mündlichen beliebig beschleunigen oder verdichten. Eine mögliche Reaktion auf diese Überforderungen ist die Sehnsucht nach radikaler Komplexitätsreduktion – bis hin zur Flucht in Fundamentalismen, die ihrerseits neue Ängste heraufbeschwören. Wie können wir Phänomenen der Unerreichbarkeit kommunikationswissenschaftlich gerecht werden? In welchen gesellschaftlichen Domänen lassen sich Phänomene der kommunikativen Unerreichbarkeit beobachten? Welche Strategien zur Überwindung kommunikativer Unerreichbarkeit werden in der Praxis angewandt? Der Band versammelt Beiträge zum 8. Kolloquium «Transferwissenschaften», die sich aus unterschiedlichen Perspektiven den Problemen kommunikativer Autarkie nähern.

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I. Kommunikative Unerreichbarkeit

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Autarke Kommunikation. Ein Plädoyer für „überschaubare Kommunikation“ Gerd Antos (Halle) 1 Von der Entgrenzung der Kommunikation zur Überforderung durch Kommunikation Nichts scheint unser soziales, berufliches wie privates Leben mehr zu prägen, als eine immer stärkere Einbindung und Vernetzung in kommunikative Prozesse – und sei dies nur als Konsument bzw. als user von Massenmedien. Glaubt man aufmerksamen Zeitzeugen (vgl. Goeudevert 2008), so ist „Kommunikation“ ne- ben „Geld/Kapital“ und „Leistung/Effizienz“ eine der drei zentralen Maximen der amerikanisch geprägten Moderne: - Der soziale Wert einer Person bemisst sich primär an ihrer Finanzkraft! (Die- se Maxime ist als Radikalisierung der alten Erfahrung Haste was, biste was! zu verstehen) - Der soziale Wert einer Person bemisst sich primär an seiner Leistungsfähig- keit! (Maxime Du bist nur was, wenn Du was leistest!) - Der soziale Wert einer Person bemisst sich primär an seinen kommunikativen Fähigkeiten, (mediale) Aufmerksamkeit zu erringen (vgl. Franck 2007)! (Maxime Du musst kommunizieren, sonst wirst du nicht wahrgenommen!) So unterschiedlich sie auch gelagert sind, so scheinen sich alle drei Maximen mindestens im Sinne des so genannten Halo-Effekts gegenseitig zu beleuchten oder gar wechselseitig zu überstrahlen. Archetypisch für den Halo-Effekt sind bekanntlich Märchen: Prinzessinnen sind trivialerweise nicht nur mächtig und reich, sondern werden wie „Promis“ auch ganz selbstverständlich als schön/at- traktiv, klug und edel wahrgenommen. Wie aber gelangt man in diese märchenhafte Halo-Welt? Gleichsam als Ein- stiegsdroge gilt heute in einer von Medien beherrschten Welt die Verheißung, mit...

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