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Georg Baselitz und der Neue Typ

Die frühen Werke- Auf dem Weg zu einem neuen Menschenbild

Reinhard Herz

Ziel dieser Untersuchung ist es, das frühe Œuvre von Georg Baselitz systematisch und umfassend zu erkunden – als Voraussetzung für alle späteren Entwicklungen bis hin zur Motivumkehr. In den frühen 60er Jahren entwickelt der Künstler in Westberlin aus informellen Anfängen heraus eine neue gegenständliche Figuration. Auf dem Weg zur Formung eines neuen Menschenbildes setzt er der Abstraktion eine strikt anthropomorph ausgerichtete Figuration entgegen, deren wichtigstes Kennzeichen die Verknüpfung von informellen Elementen und naturgegebener Körperform in einer männlichen Einzelfigur ist. Rückblickend lassen sich zwischen 1958 und 1966 Werkphasen abgrenzen, die mit der Darstellung von Köpfen, Torsi, einer sich aufrichtenden Gestalt und dem Auftreten eines scheinbar uniformierten Neuen Typs die allmähliche Rückgewinnung der menschlichen Gestalt aus ihrer informellen Auflösung zeigen.

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16 Das Frühwerk – ein Resümee

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Es ist bekannt, daß in der bildenden Kunst nach 1945 die abstrakte Kunst dominierte. Dennoch gab es in Deutschland Ansätze, diese vermeintliche Homogenität aufzubre- chen. Zu Beginn der 60er Jahren entwarf Georg Baselitz als einer der Protagonisten der in Berlin, dem Rheinland, München und Hamburg entstehenden Neuen Figuration inner- halb eines knappen Jahrzehnts aus informellen Anfängen heraus eine neue gegenständli- che Figuration. Bereits Konrad Klaphek hatte mit seinen präzisen Maschinenbildern auf die Internationale Abstraktion reagiert, wie auch Horst Antes mit seiner Figuration von Kopffüßlern. Von Sigmar Polke wurden gegenständliche Motive und menschliche Figuren in einen neuen ironischen Kontext gestellt oder von Gerhard Richter mittels unscharfer Darstellungen verfremdet. Auf dem Weg zur Herausbildung eines neuen Menschenbildes setzt Georg Baselitz der Abstraktion eine strikt anthropomorph ausgerichtete neue Figuration entgegen, deren wichtigstes Kennzeichen die Synthese von informellen Elementen und naturgegebener Körperform in einer männlich charakterisierten Einzelfigur ist. Zwischen 1958 und 1966 lassen sich aufeinander folgende Werkphasen abgrenzen, die mit der Darstellung von Köpfen, Torsi, einer sich aufrichtenden Gestalt und schließ- lich dem Auftreten eines scheinbar uniformierten Neuen Typs die allmähliche Rückge- winnung der menschlichen Gestalt aus ihrer informellen Auflösung zeigen. Die Ausformung dieser neuen Figuration wird stets gebrochen mit Hilfe de-figurativer Elemente, die den Körper des Protagonisten ebenso betreffen wie Attribute und Bestand- teile des umgebenden Bildraums – jeder dieser Gestalten ist stets auch das Element ihrer Zerstörung eingeschrieben. Rückblickend wird ein erster Höhepunkt dieser...

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