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Das Konzept Deutschheit

Studien über Eduard Spranger

Klaus Himmelstein

Die zehn Studien des Buches über den Philosophen und Pädagogen Eduard Spranger (1882-1963) vermitteln das politische Porträt eines konservativen Intellektuellen. Spranger beteiligte sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in wechselnden Herrschaftsverhältnissen, intensiv an der ideologischen Auseinandersetzung um die nationale und kulturelle Identität. In der Einheit des Deutschseins – unter Ausschluss alles Nichtdeutschen, besonders des Jüdischen – wollte Spranger die Gegensätze in der deutschen Gesellschaft und die wachsende Komplexität des modernen Lebens imaginär aufheben. Das Ideal der «Deutschheit» sollte Individualität und Staatlichkeit versöhnen. Spranger fasste diese Vorstellung in die Formel: Durchseelung des Staates und Durchstaatlichung der Seele.

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Einleitung: Widersprüche im Sprangerbild

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„Bis zu meiner Habilitation im Jahre 1963 hat mich kein Hochschullehrer so stark beeindruckt wie Eduard Spranger“, resümierte der Politikwissenschaftler Iring Fetscher seine Studien- und Assistentenzeit bei Spranger in Tübingen und brachte seine Verehrung in die Formel „letzter Grandseigneur deutschen Geis- tes“. Dem Literatur- und Rhetorikwissenschaftler Walter Jens erschien Spranger Anfang der 60er Jahre „wie die Inkarnation eines großen Jahrhunderts“, und er geriet dabei ins Schwärmen, wenn er in Spranger „die besten preußisch-blauen Farben vereint“ sieht: „Fritzische Unerschrockenheit, die zarte Pedanterie Ar- nimscher Sätze, aktuarisch und graziös, den Berliner Bekennermut Fichtes und Fontanes märkischen Witz.“1 Der Philosoph und Nachfolger auf dem Sprangerschen Lehrstuhl in Tübin- gen, Otto Friedrich Bollnow, charakterisierte Spranger anlässlich seines Todes 1963 „als den Humboldt unserer Zeit“. Der Philosoph Manfred Riedel sah in Spranger einen „späte(n) Nachfahre(n) Pestalozzis“ und der Schriftsteller, Thea- ter- und Kunstkritiker Paul Fechter erkannte in Spranger den frühen „Deuter ei- ner ungeheuerlich verwandelten Epoche“. Dem ehemaligen baden- württembergischen Kultusminister Wilhelm Simpfendörfer galt Spranger als „begnadeter Träger bester geistiger Tradition Deutschlands“.2 Die Reihe hingebungsvoller Würdigungen, die Spranger über seinen Tod 1963 hinaus erfuhr, ließe sich fortsetzen. Mehrere Universitäten im In- und Aus- land verliehen ihm die Ehrendoktorwürde; er wurde Mitglied oder Ehrenmit- glied namhafter wissenschaftlicher Akademien. Und nicht zuletzt bildete sich seit den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts unter konservativen Wissen- schaftlern, Lehrern und Politikern, Männern und Frauen aus aller...

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