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Mendelssohns «Ouvertüre zum Sommernachtstraum»

Mechanismen der Rezeptionsgeschichte: Musik und Literatur in der Romantik

Jörn Rieckhoff

Die Ouvertüre zum Sommernachtstraum war die Erfolgskomposition des jungen Felix Mendelssohn Bartholdy. Mit ihrer Mischung aus Verträumtheit und jugendlichem Elan eroberte Mendelssohn die Herzen der Engländer. Zugleich war die Ouvertüre eine Visitenkarte seiner literarischen Bildung: Das zugrunde liegende Drama von William Shakespeare hatten die Romantiker zu aktueller deutscher Literatur erklärt. Durch akribische Quellensichtungen und unter Rückgriff auf historische Analysetechniken gelingt es Jörn Rieckhoff, Mendelssohns Herangehensweise an den Sommernachtstraum zu rekonstruieren. Dabei erweist sich die berühmte Komposition als Experiment, bei dem Mendelssohn poetische Strukturen aus Shakespeares Drama in kreativer Weise auf das Formmodell der Konzertouvertüre übertrug.

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I Einleitung

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Die Ouvertüre zum Sommernachtstraum, die Felix Mendelssohn Bartholdy im Jahr 1826 komponierte und später als op. 21 veröffentlichte, ist aus historischer Sicht ein außergewöhnlich erfolgreiches Werk.1 Neben den großen Auffüh- rungserfolgen, die Mendelssohn zu Lebzeiten mit dieser Komposition erzielen konnte und die eine bis heute ungebrochene Aufführungstradition initiierten, lässt sich diese Aussage an drei weiteren Themenfeldern festmachen. Zum einen knüpft Mendelssohns Ouvertüre an William Shakespeares Drama A Midsummer Night’s Dream an, das – bedingt durch das Interesse der Romantik am Wunder- baren – in literarisch interessierten Kreisen Deutschlands verstärkt wahrgenom- men wurde. Einen bedeutsamen Beitrag zu dieser Entwicklung leistete August Wilhelm Schlegel mit seiner Übersetzung unter dem Titel Ein Sommernachts- traum, die durch Nachdrucke in den 1810er- und 1820er-Jahren große Verbrei- tung fand und die trotz der Vielzahl nachfolgender Übersetzungen bis heute die meistgelesene ist.2 Das zweite Themenfeld betrifft die enge Verknüpfung der Sommernachts- traum-Ouvertüre mit dem Erfolg der Schlegel-Übersetzung des Sommernachts- traums. Bei der Komposition der Schauspielmusik zu diesem Drama (op. 61) in den Jahren 1842/43 verwendete Mendelssohn die Übersetzung von Schlegel als Textgrundlage machte zugleich die Sommernachtstraum-Ouvertüre zum integra- len Bestandteil des neuen Werkes. Die Uraufführung dieser Schauspielmusik im Rahmen der Inszenierung des Dramas von Ludwig Tieck war ein kulturpoliti- sches Ereignis, das vom Auftrageber, dem preußischen König Friedrich Wil- helm IV., gesteuert wurde: Erst vier Tage nach der privaten Uraufführung am 14. Oktober 1843 vor geladenen Gästen...

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