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Falsche Könige zwischen Thron und Galgen

Politische Hochstapelei von der Antike zur Moderne

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Gerhard Menzel

Das Phänomen politisch relevanter Hochstapelei, das heißt falscher Thronbewerber, die zeitweilig Herrschaft ausübten, Aufstände entfesselten, diplomatische Wirrungen verursachten, zumindest aber harte Sanktionen provozierten, begleitet die Geschichte der Monarchien von der Antike bis ins 19. Jahrhundert. Zwar sind die prominenteren Fälle vielfach untersucht worden, aber nur selten wurde das Thema in größeren Zusammenhängen fachhistorisch aufgegriffen. Eine Gesamtschau wurde vor allem populären Sammelbiographien überlassen. Ohne die darstellende Tradition dieser Sammelwerke gänzlich aufzugeben, orientiert sich diese Arbeit streng an den Quellen und der wissenschaftlichen Literatur. Sie bezieht bisher oft vernachlässigte Epochen und Räume ein, greift die Diskussion um Identitätsfragen und politische Hintergründe der Prätendenten auf, setzt die Einzelfälle in historische Zusammenhänge und öffnet den Blick auf die Rezeption des Themas in der schönen Literatur.

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XVI. Russland 1: Die falschen Zaren Dimitri (Demetrius) und ihre Nachahmer in der Zeit der Wirren ab 1605

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259 XVI. Russland 1: Die falschen Zaren Dimitri (Demetrius)und ihre (achahmer in der Zeit der Wirren ab 1605 Als einen „Samosvanec“ oder „Selbsternannten“ bezeichnet man in Russland ei- ne Person, die sich unter falschem >amen eine Autoritätsstellung anmaßt, die ihr nicht zukommt, insbesondere wenn es um die höchste aller Positionen, die Würde des Zaren, geht. Das Phänomen solcher falscher Prätendenten taucht in Russ- land erst spät, dafür umso heftiger und langwieriger auf als sonstwo. Die Anzahl der „Samosvanzen“ schwankt bei verschiedenen Autoren, die sich mit dem The- ma befassen: Dunning zählt nach der ersten Welle (1604-13) weitere 12 bis 1700 und 44 für das 18. Jahrhundert. Longworth gibt für das 17. Jahrhundert 23, für das 18. nochmals 44. Ein russischer Historiker, Solowjew, spricht von 36 fal- schen Prätendenten, 12 davon in der Anfangsphase 1605-13. 1 Diese auf jeden Fall erstaunliche Menge hat zu allerlei Erklärungsversuchen Anlass gegeben. Bevor am Ende auf diese allgemeinen Thesen eingegangen werden kann, muss zunächst die lange Geschichte des Samosvanzentums aufgerollt werden. Zur Vorgeschichte: Runde siebenhundert Jahre herrschte die Dynastie der Rurikiden über Russland. Sie hatte den Zerfall des angeblich von ihrem Stamm- vater Rurik, einem Skandinavier-Waräger, am Ende des 9. Jahrunderts gegrün- deten (seit dem 10. Jahrhundert christlich-orthodoxen und slawisierten) Kiewer Großreiches in zahllose Teilfürstentümer ebenso überlebt wie deren Unterwer- fung unter die mongolisch-tatarische Oberhoheit (1240-1480). Die Mitglieder ihres großfürstlich- Moskauer Zweiges...

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