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Kritik des Schuldbegriffs im Jugendstrafrecht

Eine metadogmatische Begründung des Schuldfähigkeits- und Verbotsirrtumsbegriffs

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Gustavo Chan Mora

Die Arbeit stellt umfassend die Grundlagen legitimen Jugendstrafrechts dar. Der Autor klärt dabei jene interdisziplinären Fragen, die beantwortet werden müssen, wenn Jugendliche legitim für ihr Verhalten verantwortlich gemacht werden sollen. Ergebnis ist ein Anforderungsprofil an einen erkenntnistheoretisch, ethisch und verfassungsrechtlich begründeten, interdisziplinären Begriff der jugendspezifischen Schuld (im Sinne von Strafbegründungsschuld). Der Autor rekonstruiert zunächst bezogen auf Costa Rica und Deutschland die gegenwärtigen Grundlagen des jugendstrafrechtlichen Strafbegründungsschuldbegriffs, also die Begriffe der Schuldfähigkeit und des Verbotsirrtums. Im Hauptteil der Arbeit wird die Notwendigkeit einer metadogmatischen Begründung eines spezifisch jugendstrafrechtlichen Schuldfähigkeits- und Verbotsirrtumsbegriffs dargelegt, und die Bausteine dafür zur Verfügung gestellt.

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Prolog

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Genau vor etwa einem Vierteljahrhundert leitete der Göttinger Strafrechtswissen- schaftler Manfred Maiwald seinen Vorschlag eines sozialen Schuld begriffs mit den Worten ein, der Begriff der Schuld sei, „obschon ein Zentralbegriff unseres Straf rechts systems, inhaltlich ungeklärt“. Auch wenn man heute niemanden mehr fragt, was Schuld wohl sei, auch wenn man sich – bei Ablehnung einer vollstän- digen Funktionalisierung des Schuldbegriffs – einig ist, dass es bei der Frage nach der Schuld darum geht, ob jemand für sein Verhalten und dessen Folgen verant- wortlich ist, bleibt die Suche nach dem ungeklärten Inhalts des Schuldbegriffs aktuell. Es geht dabei um viel: um die Autonomie des (Straf-) Rechts und des strafenden Staates, um seine Freiheit, mehr oder weniger unbelehrt von anderen Wissenschaften, die sich – natur- oder geisteswissenschaftlich – mit dem Men- schen befassen, zu dekretieren, wann jemand für sein Tun verantwortlich ist. Es geht auch um das denknotwendig Normative der Norm wissen schaften, aber auch um die Grenzen des frei schwe benden Normierens, die sich aus den Erkennt nissen der menschbezogenen Wissenschaften ergeben. Der Problem- und Fragenkreis, der mit diesen Sätzen angedeutet sein soll, drängt die Rechts wissen schaft zur Interdisziplinarität. Wenn das Strafrecht und die Mehr- heit der Straf rechts wissenschaftler überwiegend gleichwohl nicht in interdiszipli- nären Zusammenhängen arbeiten, dann liegt das sicher daran, dass all diese Fra- gen rechtspraktisch ohne Bedeutung scheinen, wenn es um die Verantwortlich- keit erwachsener Menschen geht. Schuld im Sinne grundsätzlicher Fähigkeit zur Verantwortlichkeit wird auf der...

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