Show Less

Spannungsfelder: Literatur und Gewalt

Tagungsband des 3. Studierendenkongresses der Komparatistik

Series:

Edited By Thomas Erthel, Christina Färber, Nicolas Freund and Elisa Leroy

Warum beschäftigt sich Literatur mit Vernichtung? Engen die Regeln einer Ästhetik Literatur gewaltsam ein? Wie übt Propaganda Gewalt aus, und ist nicht auch Deutung immer ein Gewaltakt? Kann Literatur mit den ihr eigenen Mitteln Gewalt verhandeln – oder ist Gewalt das schlechthin Unvermittelbare? Gewalt wird an Literatur verübt, Gewalt wird in Literatur dargestellt, Gewalt wird durch Literatur selbst ausgeübt. Der vorliegende Tagungsband zum 3. Studierendenkongress der Komparatistik 2012 versammelt ausgewählte Beiträge, die diesen Fragen durch detaillierte Analyse zahlreicher literarischer Texte jenseits nationaler, epochaler und medialer Grenzen nachgehen. Darüber hinaus zeigen sie, inwiefern das Spannungsfeld Literatur und Gewalt zur theoretischen Reflexion über die Methoden der Komparatistik und das Medium Literatur selbst einlädt.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Gewalt an Literatur

Extract

15 Die Gewalt der Schriftlichkeit. Übersetzen als exophone Taktik in Yōko Tawadas Arufabetto no kizuguchi (Die Wunde des Alphabets) Katharine Anne Apostle Einleitung Seit mehr als zwanzig Jahren schreibt die japanische Autorin Yōko Tawada Romane, Erzählungen, Gedichte und Theaterstücke auf Deutsch und Japanisch. Viele ihrer Texte besitzen eine poetologische Qualität, da sie häufig das Schrei- ben in einer anderen Sprache zum Thema haben. Tawada begann zuerst auf Deutsch zu schreiben und veröffentlichte 1987 ihren Gedicht- und Prosaband Nur da wo du bist da ist nichts. Seit 1991 schreibt sie ebenfalls auf Japanisch, und auch in diesen Werken beschäftigt sie das Schreiben selbst. Tawadas Texte widmen sich oft dem Thema der Exophonie, welches auch mit Anders- sprachigkeit1 übersetzt werden kann. In ihrem Text mit dem Titel Ekusofonii de- finiert Tawada diesen Begriff folgendermaßen: „Exophonie = eine Reise, um aus der Muttersprache zu treten“ (zit. nach Tanigawa 2010, S. 356). Das Präfix „exo“ entspricht bei Tawada einer Bewegung hinaus aus einem vorhergegange- nen Zustand, ein Prozess, der stark an ihre eigene Biographie erinnert. Tawada kam 1982 nach Deutschland, wo sie seither lebt und sowohl auf Deutsch als auch auf Japanisch schreibt (vgl. Tanigawa 2010, S. 352). Diese Reise aus der Muttersprache heraus, die Tawada selbst unternommen hat und in ihren Texten reflektiert, unternehmen jeden Tag viele Menschen in der Migration, eine Be- wegung, die über nationale Grenzen hinausgeht. Der „post-national[e] Diskurs“ der Migration, wie ihn Klaus Schenk, Almut Todorow und Milan Tvrd...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.