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Die ontologische Wende der Hermeneutik

Heidegger und Gadamer

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Wei-Ding Tsai

Kernpunkt dieser Arbeit ist die ontologische Wende der Hermeneutik und ihre Bedingungen der Möglichkeit. Die Hauptthese ist: Die ontologische Wende beginnt zwar mit Heidegger, wird aber von Gadamer vollbracht. Sie vollendet sich nicht beim frühen Heidegger, weil er nur die Einheit von Sein und Verstehen klar erschließt, aber das Wesen der Sprache nicht ausreichend erklärt. Sie vollendet sich auch nicht beim späten Heidegger, weil er zwar die Einheit von Sein und Sprache bestätigt, aber das individuelle Verstehen ausschließt. Durch Gadamers Interpretation der Phronesis gilt seine philosophische Hermeneutik als das faktische Ergebnis der ontologischen Wende der Hermeneutik, und auch als eine verbesserte Theorienversion der Heideggerschen Hermeneutik(en) in der Geschichte der Hermeneutik.

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Abschnitt I. Die ontologische Wende in der Geschichte der Hermeneutik und ihre Bedingungen der Möglichkeit

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13 Abschnitt I. Die ontologische Wende in der Geschichte der Herme- neutik und ihre Bedingungen der Möglichkeit 1. Einleitung: Die philosophische Hermeneutik auf dem Weg zu einem neuen Paradigma 1.1 Der Metarahmen der vorliegenden Arbeit: Die sich in Paradigmenkonkur- renz entfaltende Geschichte der Hermeneutik 1.1.1 Hermeneutik als Familie hermeneutischer Theorien Das Wort ‚Hermeneutik‘ ist vieldeutig. Wenn die Bedeutung des Wortes seiner griechischen Herkunft – hermeneutike (ἑρμηνευτική) – zufolge als morphologisch bzw. wortbildend defi- niert wird, kann man darunter grob genommen die Kunst (τέχνη) des Auslegens (ἑρμηνεύειν) verstehen1. Diese etymologische Definition enthält zwar einen wichtigen As- pekt der Hermeneutik. Aber sie ist keine allumfassende Definition. Wenn wir die Geschichte der Hermeneutik überblicken, können wir feststellen, dass der Gebrauch des Wortes „Her- meneutik“ eigentlich selten eindeutig ist. Der Begriff der Hermeneutik ist also nichts Unver- ändertes. Zu unterschiedlichen Zeiten haben verschiedene Gelehrte die Hermeneutik unter- schiedlich definiert. Beispielsweise hat Palmer bereits skizzenhaft für die Hermeneutik im Hinblick auf ihre Entwicklung in der Neuzeit mindestens folgende sechs Definitionen ge- nannt: die Theorie der Bibelexegese, die philologische Methodologie, die Wissenschaft des sprachlichen Verständnisses, die methodologische Grundlegung der Geisteswissenschaften, die Phänomenologie des Daseins und des existenzialen Verstehens sowie verschiedene Sys- teme der Interpretation der Symbole. (Vgl. Palmer, 1969: 33-45) Seine Aufzählung ist gewiss nicht komplett. Aus ihr deutet sich jedoch durchaus bereits das Phänomen der Pluralität der Hermeneutik an. Wir können also kaum eine inhaltliche Gemeinsamkeit in allen hermeneuti- schen Theorien finden, weil sie weder den gleichen Aufgabenzweck und -kreis...

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