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Roman und Persönlichkeitsrecht

Ein partikulardogmatischer Entwurf

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Christoph Wege

Wer sich in einer Romanerzählung als Person wiedererkannt fühlt, muss das grundsätzlich hinnehmen, weil Kunstkommunikation nach außen wie ein Filter wirkt, der Verletzungen des Persönlichkeitsrechts abmildert. Die Arbeit konstruiert Kunstfreiheit und Persönlichkeitsrecht – aufeinander zugerichtet – neu. Dass Rechtsnormen nicht mit dem Buchstaben des Gesetzes identisch sind, sondern erst im Prozess ihrer eigenen Anwendung entstehen, bildet das nachpositivistisch-konstruktivistische Fundament hierfür. Dabei entsteht eine Landschaft partikulardogmatischer Innovationen, auf der sich die Lösung des juristischen Problems darbietet.

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1. Das Verhältnis zwischen Persönlichkeitsrecht und Kunstfreiheit ist für den Fall des Romans nicht abschließend geklärt. 2. Der „Esra“-Beschluss entwirft – wie schon „Mephisto“ – keine überzeu- gende Lösung des ihm aufgegebenen Rechtsproblems, und schon gar keine abschließende Dogmatik der durch ihn konstituierten Fallgruppe des All- gemeinen Persönlichkeitsrechts. Schon bei der Erfassung des Entschei- dungsgegenstands treten erhebliche Unschärfen zutage. Es ist nicht expli- ziert, wie fiktionale Texte welche konkreten Persönlichkeitsverletzungen verursachen. Neben diesem fiktionstheoretischen Erklärungsdefizit mangelt es dem Beschluss an der Rückbindung seiner Entscheidungsformel an die beteiligten Grundrechte. 3. Gleichwohl ist die „Esra“-Entscheidung Teil der Rechtsnormquellen, die zur rechtlichen Lösung zwingend mitberücksichtigt werden müssen. Das unterscheidet die juristische Falllösung von der literaturtheoretischen. 4. Das Verhältnis des Romans zur Wirklichkeit ist problematisch. Die extreme Schwierigkeit im Verständnis der „Esra“-Entscheidung liegt darin, dass sie dieses problematische Verhältnis nicht exakt aufbereitet. Um erkennen zu können, welche fiktionstheoretische Konzeption das BVerfG auf Sachver- haltsebene zugrunde legt, ist eine Analyse gefragt, die ihre Begriffe nicht willkürlich wählt, sondern aus dem zu analysierenden Kernproblem ableitet: Dem Verhältnis von Fiktion und Wirklichkeit. 5. Referenzialisierbarkeit meint den Verweis eines fiktionalen Textes auf eine Tatsache der realen Realität. Gefährlicher Stoff meint Erzähltes, das, seine Faktualität unterstellt, Persönlichkeitsrechtsverletzungen anrichtet. Personen der fiktionalen Realität werden Figuren genannt. 6. Referenzialisierbarkeit ist das Medium, innerhalb dessen sich der Prozess der Referenzialisierung in einer...

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