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Geburt, Taufe und Kirchgang in der Fürstenwelt des Alten Reichs

Hauke Petersen

Die Geburt eines fürstlichen Kindes war in der Frühen Neuzeit nicht nur ein Grund zur familiären Freude, sondern weckte auch Hoffnungen auf Erhalt und Steigerung dynastisch-politischer Macht. Sinnbildlich wurden diese Erwartungen im Tauffest mit der Aufnahme des Kindes in die fürstlich-weltliche und kirchliche Gemeinschaft. Im gesamten Verlauf von Schwangerschaft, Geburt, Taufe, Wochenbett und Kirchgang wurden Zeremoniell und Ritual genutzt, um politische Macht darzustellen und zu gestalten. Anhand von vier exemplarisch ausgewählten frühneuzeitlichen Höfen – Wien, Dresden, Stuttgart und Gottorf – wird die Bedeutung und die Instrumentalisierung fürstlicher Geburten, Taufen und Kirchgänge erklärt.

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4 Von der Schwangerschaft zum Kirchgang – Symbolisch-politische Kommunikation im Umfeld von Geburt und Taufe

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4.1 Die Schwangerschaft Schwangerschaften galten in der höfischen Gesellschaft als etwas Außerge- wöhnliches, obwohl sie im Leben einer Fürstin fast alltäglich waren.1 Die hohe Fertilität und die stetige Sorge um den Erhalt der Dynastie schufen weibliche Lebensläufe, die von Schwangerschaften geprägt waren. Als Beispiel kann hier die Erzherzogin und Kaiserin Maria Theresia gelten. Sie gebar im Alter von 19 Jahren ihre erste Tochter. Darauf sollten 15 weitere Kinder folgen. Ihren letzten Sohn gebar sie im Alter von 39 Jahren. Statistisch gesehen lagen zwischen den 16 Schwangerschaften jeweils nur fünf Monate. Diese Zahlen liegen etwas über dem Durchschnitt einer adligen oder fürstlichen Frau der Frühen Neuzeit. Anke Hufschmidt hat für den Weserraum errechnet, dass dortige Adlige 10 bis 15 Mal in ihrem Leben schwanger waren.2 Die medizinische Versorgung und die hygienischen Standards während der Schwangerschaft lagen weit über dem der übrigen Bevölkerung, waren aber – nach heutigen Maßstäben – trotzdem in vielen Fällen unzureichend. Aus diesem Grund lassen sich auch die vielen Tot- und Fehlgeburten erklären. Der einzig bekannte medizinische Eingriff während der Schwangerschaft war der Aderlass. Die Annahme, durch Entnahme von – teilweise nicht unerheblichen Mengen – Blut könne die Gesundheit und das Wohlbefinden gestärkt werden, bestand von der Antike bis in das 19. Jahrhundert und machte auch vor werdenden Müttern nicht halt. Die Wiener Zeremonialprotokolle berichten immer wieder davon, dass „zu glücklicher fortsezung Ihro May. der regierenden Kayserin höchstbe-...

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