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Danziger Umgangssprache und ihre Spezifik

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Grazyna Lopuszanska-Kryszczuk

Die gemeinsame, viele Jahrhunderte alte Geschichte der Kaschuben, Deutschen und Polen in Danzig führte zur Herausbildung einer Kommunikationsgemeinschaft, in der unterschiedliche, alle drei Nationen integrierende Bindungen zwischen den Menschen bestehen. Die wesentlichen gesellschaftlichen Prozesse, Zusammenarbeit und Anpassung, haben zur sprachlichen Akkomodation und Assimilation im Bereich der städtischen, multiethnischen Sprachgemeinschaft beigetragen. Das aus Standardsprache, standardnaher und dialektaler Umgangssprache erwachsene sprachliche Kontinuum zeichnet sich einerseits durch beachtliche Kontraste und anderseits durch ziemlich fließende Übergänge zwischen einzelnen Varietäten aus. Diese Form der städtischen Umgangssprache, die sich in Danzig infolge der Wanderungsbewegungen und sozialer Umschichtungsprozesse herausgebildet hat, wurde mit der Zeit zur vorherrschenden Verkehrssprache, die unabhängig vom Bewusstsein der ethnischen Zugehörigkeit zu einem der wichtigsten identitätsstiftenden Elemente des Danziger Bürgers wurde.

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9. Zu einigen grammatischen Erscheinungen

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9.1. Substantiv, Artikel, Pronomen Das Geschlecht ist eine Eigentümlichkeit des Substantivs und der eng mit ihm zusammenhängenden Wortarten, des Artikels, des Pronomens und des Adjek- tivs. Bei den Substantiven wird, wie im Hochdeutschen, Genus, Numerus und Kasus unterschieden. Einige Substantive in der Danziger Umgangssprache zei- gen Genusbesonderheiten. Dieses Merkmal ist nicht nur dem Danzigerischen eigen. In den meisten deutschen Mundarten ist zu bemerken, dass den Substan- tiven ein anderes Geschlecht zugeteilt wird. Ähnlich ist es im Niederdeutschen – dem Substantiv kann man nicht ansehen, welches grammatische Geschlecht es hat. Auch der bestimmte Artikel gibt hier nur begrenzten Aufschluss, weil im Nom. Sg. für die drei Genera nur zwei Formen zu vermerken sind: de, dat. Das Genus stimmt meist mit dem des Hochdeutschen überein. Nur gelegent- lich kommen Abweichungen vor, die aber fakultativ sind. Der bestimmte Arti- kel lautet wie im Niederdeutschen: de für Maskulinum und Femininum, das Neutrum das stimmt mit der Standardsprache überein: de Anfangsbuchstaben (die Anfangsbuchstaben), de Luft (die Luft). Der unbestimmte Artikel lautet wie im Niederdeutschen: en, ene. Die Voll- formen en, ene werden oft zu n bzw. en/ne verkürzt: was ne Hark is von wejen Jeethefeier. (was für eine Harke ist über die Goethefeier ), en scheenes lebendes Bild (ein schönes lebendes Bild), son Jeneralintendant (so ein Generallinten- dant). Im Danziger Missingsch treten fakultativ die Formen: der oder en Aff (auch Oop) , oft aber de (die) oder ne Aff´ (eine) auf, wohl in Anlehnung an das polni- sche Wort małpa...

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