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Gloire à Dieu seul

Protestantismus in der französischen Prosaliteratur des 16. Jahrhunderts

Bianca Jarlan

Frankreich im 16. Jahrhundert: Die Frage nach dem rechten Glauben spaltet eine ganze Nation und führt zu blutigen Bürgerkriegen. Auch die Autoren in dieser theologisch-hermeneutischen Studie sehen sich mit ihr konfrontiert: Marguerite de Navarre, François Rabelais, Henri Estienne und Michel de Montaigne. Die Theologie ihrer Werke, Gegenstand jahrhundertelanger Spekulationen, ist das Thema der vorliegenden Untersuchung, die im Bereich der Literaturwissenschaft methodisches Neuland betritt. Die Arbeit beurteilt mit Hilfe fundamentaler protestantischer Glaubensinhalte und einschlägiger Traktate des 15. und 16. Jahrhunderts die genannten Autoren hinsichtlich ihrer Religiosität, geht konfessionellen Vorurteilen auf den Grund und gewährt differenzierte theologische und geschichtliche Einblicke.

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6 Versuche der Welt- und Selbstfindung: Montaignes Essais

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Michel Eyquem de Montaigne (1533-1592) ist eine der überragenden literarisch- philosophischen Gestalten gegen Ende des 16. Jahrhunderts. Diese Tatsache darf durchaus verwundern, denn er ist von Hause aus weder Literat noch Philosoph, sondern Jurist und später Privatier. Seine Essais stellen in der Literaturgeschich- te etwas Einzigartiges dar: nämlich dem ursprünglichen Begriff entsprechend den Versuch, den eigenen Gedanken über die Welt, die Menschen und vor allem über sich selbst Ausdruck zu verleihen. Derartiges hatte es bis dato noch nicht gegeben. Die Themen der einzelnen Essays sind breit gefächert und spiegeln so die Facetten des menschlichen Daseins wieder. Die Religion, der Glaube oder gar die Theologie kommen dabei zwar zur Sprache, gleichwohl ist diese Thema- tik nicht unbedingt das Hauptinteresse des Autors. Entsprechend wenig ist diese Frage in der Forschungsliteratur bisher beachtet worden. Häufig ist ihr nur ein Kapitel in Werken gewidmet, die neben seinen religiösen Ansichten auch ganz andere Gesichtspunkte berücksichtigen: etwa in Michas Betrachtungen zu Leben und Werk Montaignes.1700 Er kommt zu dem Schluss, dass der selbstreflexive Autor der Essais weder ein kompromissloser Gläubiger, noch ein absoluter Freidenker ist, sondern dass seine Religiosität irgendwo zwischen diesen beiden Polen einzuordnen ist.1701 Diese Uneindeutigkeit sei dabei keineswegs proble- matisch, so Micha, schreibe doch Montaigne ständig über die Widersprüchlich- keit des menschlichen Wesens.1702 Dennoch sei eine ungefähre Verortung mög- lich: Montaigne kämpfe mit der Waffe des Pyrrhonismus gegen jedwede Art von Dogmatismus,1703 daher sei seine Religiosität eher...

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