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Don Juan Tenorio

Zur Vorgeschichte des Don Juan-Stoffes in der europäischen Volksüberlieferung

Leander Petzoldt

Einer der großen Stoffe der Weltliteratur wird hier zu seinen Ursprüngen zurückverfolgt. Die Spannweite reicht vom archaischen Totenkult über christliche Exegese im barocken Predigtexempel bis hin zu da Ponte/Mozarts Don Giovanni. Dabei wird deutlich, wie sich der Stoff verschiedenen Gattungen anverwandelt und sich unterschiedlicher Medien bedient. Breiten Raum nehmen dabei einschlägige Glaubensvorstellungen und Volkserzählungen vom Steinernen Gast und vom Beleidigten Totenschädel, die tendenziös theologisch-politischen Bearbeitungen des Stoffes im Jesuitendrama (Leontius) und seine Trivialisierung im Puppenspiel und Volksschauspiel ein. Der Autor stellt Quellenmaterial aus über zwanzig Ethnien zu Verfügung, das in dieser Vollständigkeit bisher einmalig ist.

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Teil IV: Die Entwicklung der Sage

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A. Literarische Tradition und orale Überlieferung Die orale, narrative Überlieferung steht in ständiger Wechselwirkung mit der lite- rarischen Tradition, wobei zu bedenken ist, dass die Schriftkundigen des Mittel- alters „sich fast nur der Religion, der Wissenschaft und Chronistik“ widmeten,682 was die vorliegende Untersuchung durchaus bestätigen kann. Faßtbar wird die Sage zuerst in ihrer literarisierten Form, aber wir können davon ausgehen, dass der mündlichen Überlieferung eine wesentliche Rolle bei der Tradierung dieses Stoffes über die Jahrhunderte hin zukommt. Fritz Peter Knapp bemerkt in diesem Zusammenhang: „Es gibt aber kaum eine größere Verzerrung der kulturellen Realität des Frühmittelalters, als wenn man von den damals produzierten Texten nur die damals schriftlich niedergelegten beachtet. Diesen steht vielmehr eine gewaltige mündliche Produktion gegenüber, die zum weit geringeren Teil später noch in Aufzeichnungen fassbar ist. Und sie setzt sich teilweise noch bis ins Spät- mittelalter fort, wenn sich die Mündlichkeit auch überwiegend auf die Repro- duktion zurück zieht…“683 Bereits zu einem relativ frühen Zeitpunkt lassen sich literarische Zeugnisse der Sage vom eingeladenen Totenschädel nachweisen. Als terminus post quem muss das Jahr 1487 gelten, das in der Handschrift der ältesten Exempelfassung (AI) der Sage vermerkt ist,684 Diese aus dem Breslauer Dominikanerkloster stam- mende Handschrift ist neben dem bis heute nicht aufgefundenen Manuskript mit dem Titel „Annulus“685 (A 2) der wertvollste Beleg der Sage im ausgehenden Mittelalter. Der nächste für die Entwicklung der Sage wichtige Termin,...

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