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Psychologie – Genese einer Wissenschaft

Eine problemgeschichtliche Analyse zum Diskurs des Unbewussten

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Ingmar Zalewski

Die Psychologie ist eine junge Wissenschaft. Ihre Geschichte beginnt erst 1879, als Wilhelm Wundt das erste experimentalpsychologische Labor der Welt in Leipzig eröffnet. Doch warum ist die Erzählung der Institutsgründung so populär? Ist nicht erst ein eigenständiges wissenschaftstheoretisches Fundament für die Geburt einer Disziplin konstitutiv? Das vorliegende Buch entwickelt alternative Sichtweisen auf die Genese der Psychologie und greift dabei nicht auf die herkömmliche Erzählung des paradigmatischen Bruchs zurück. Am Beispiel der Debatten zum Unbewussten werden Traditionslinien aufgezeigt, die in Wundts Gesamtkonzeption der Psychologie zusammenlaufen. Ihre Etablierung wird damit nicht primär mit dessen experimentalpsychologischer Pionierarbeit begründet. Stattdessen wird Wundts vermittelnde Position zwischen Geistes- und Naturwissenschaften herausgestellt und für die gegenwärtige Fachdiskussion neu aufbereitet.

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I Ausgangspunkt

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1 Leibniz 1.1. Metatheoretische Einordnung Entscheidende Prägungen erfährt die Psychologie als Teilgebiet der Phi- losophie bereits durch John Locke [1632–1704] im englischen Empiris- mus und René Descartes [1596–1650] im französischen Rationalismus.6 Der deutsche Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz [1646–1716] setzt sich mit diesen beiden Lehren intensiv auseinander. Leibniz‘ Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand (1765/1996)7 stellen da- bei eine kritische Replik auf Lockes berühmten Essay Concerning Hu- man Understanding (1690/1975) dar. Die Abhandlungen sind außerdem die wichtigste Referenz im Hinblick auf Leibniz‘ Impulse für die Ge- schichtsschreibung der Psychologie und die Entdeckungsgeschichte des Unbewussten (Eckhardt, 2010, S. 40). Leibniz kann allerdings nur verstanden werden, wenn sein aus heuti- ger Sicht befremdlich anmutendes philosophisches Gesamtkonzept – die Monadenlehre – zur Kenntnis genommen wird. Mit seinem Werk Mo- nadologie (1714/2002) begründet er diese universelle Weltsicht. Leib- niz’ oberste Annahme ist demzufolge eine grundlegende Zweiteilung der Bereiche des Lebens in eine Parallelität von Körper und Geist.8 Leibniz (1714/2002) unterscheidet konkret den „Bereich der Körper in Raum und Zeit“ vom „Bereich des Seienden“, dem „Monadenreich“. Körper sind dabei die bloßen Erscheinungsformen des Seienden (Eckhardt, 2010, S. 41 f.; Engfer, 1988, S. 23 f.). „Mit Hilfe dieser Ebenenunter- 6 Zwei ganz wesentliche Strömungen in der Philosophie, mit denen sich aber im Rahmen dieser Arbeit nicht weiter auseinander gesetzt werden kann (zur Ver- tiefung Eckhardt, 2010, S. 35–40; Oberthür, 2005). 7 Verfasst 1703–1705, aber posthum erschienen (Eckhardt, 2010, S....

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