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Psychologie – Genese einer Wissenschaft

Eine problemgeschichtliche Analyse zum Diskurs des Unbewussten

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Ingmar Zalewski

Die Psychologie ist eine junge Wissenschaft. Ihre Geschichte beginnt erst 1879, als Wilhelm Wundt das erste experimentalpsychologische Labor der Welt in Leipzig eröffnet. Doch warum ist die Erzählung der Institutsgründung so populär? Ist nicht erst ein eigenständiges wissenschaftstheoretisches Fundament für die Geburt einer Disziplin konstitutiv? Das vorliegende Buch entwickelt alternative Sichtweisen auf die Genese der Psychologie und greift dabei nicht auf die herkömmliche Erzählung des paradigmatischen Bruchs zurück. Am Beispiel der Debatten zum Unbewussten werden Traditionslinien aufgezeigt, die in Wundts Gesamtkonzeption der Psychologie zusammenlaufen. Ihre Etablierung wird damit nicht primär mit dessen experimentalpsychologischer Pionierarbeit begründet. Stattdessen wird Wundts vermittelnde Position zwischen Geistes- und Naturwissenschaften herausgestellt und für die gegenwärtige Fachdiskussion neu aufbereitet.

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Schlussbemerkung

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Zwei Traditionslinien und ein Spannungsfeld Das in der Inhaltlichen Problemstellung gefasste Vorhaben, den Prozess der Genese der Psychologie problemgeschichtlich aufzuarbeiten, wurde am Beispiel einer Diskursrekonstruktion des Unbewussten verwirklicht. Im Zuge dessen wurden zwei Traditionslinien des Unbewussten vonei- nander separiert. Die in ihren Anfängen bis auf Leibniz (Kapitel 1) zurück zu verfol- gende Traditionslinie des kognitiven Unbewussten trägt bei Herbart (Kapitel 3) und Fechner (Kapitel 4) der zentralen Erkenntnis Rechnung, dass die kognitiven Verarbeitungskapazitäten des Menschen von Natur aus begrenzt sind. Zwingend entsteht also ein kognitives Unbewusstes. Primär spiegelt eine solche Traditionslinie den historischen Verlauf wis- senschaftlicher Bestätigungen für die Annahme eines Bereichs des – be- grifflich zugespitzt – kognitiven Unbewusstseins wieder. Die sich an- fangs als Paradoxie darstellende Setzung, eben jenen Bereich des kogni- tiven Unbewusstseins im Bewusstsein zu verorten, konnte aufgelöst werden. Ein solcher allgemeiner Begriff vom menschlichen Bewusst- sein, der sich bei Kant (Kapitel 2) als Nachfolgebegriff eines erkenntnis- theoretisch überholten substantiellen Seelenbegriffs etabliert, ist in die- ser Traditionslinie räumlich erfasst. Ein räumliches Bewusstsein lässt die Koexistenz zweier Teilbereiche bewusster und unbewusster Kogniti- onen zu. Wie die folgende Abbildung 1 deutlich machen soll, sind kogni- tives Unbewusstsein und kognitives Bewusstsein vielmehr die beiden Bereiche, die das Bewusstsein überhaupt erst konstituieren. Pongratz (1967/1984, S. 240) nimmt sie als Latenz (kognitives Unbewusstsein) und Präsenz (kognitives Bewusstsein) an. Wundt nennt sie Blickfeld (kognitives Unbewusstsein) und Blickpunkt (kognitives Bewusstsein) des Bewusstseins. Leibniz Trennung in Perzeption (kognitives Unbe- 102 wusstsein) und Apperzeption (kognitives...

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