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Soziopolitischer Wandel und Sprachbewusstsein

Quechua-Spanisch-Bilinguale im urbanen Großraum von Cochabamba (Bolivien)

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Jurek Hentschel

Vor dem Hintergrund der jüngsten soziopolitischen Transformationsprozesse in Bolivien und unter besonderer Berücksichtigung der aktuellen Sprach- und Bildungspolitik der Regierung Morales wird die traditionell konfliktive Sprachsituation des Landes thematisiert. Mittels qualitativer Methoden empirischer soziolinguistischer Forschung werden Aspekte des Sprachbewusstseins bilingualer Quechua-Spanisch-SprecherInnen im urbanen Großraum von Cochabamba analysiert. Ziel ist das Herausarbeiten von Einflüssen der aktuellen Transformationsprozesse. Können diese positiv auf die ungesicherte Zukunft des Quechua einwirken? Im Fokus der Analyse stehen die Einstellungen der Bilingualen zu den beteiligten Sprachen, zum soziopolitischen Wandel und zur Sprach- und Bildungspolitik sowie der individuelle und gesellschaftliche Sprachgebrauch.

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2. Soziolinguistischer Kontext

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Um die soziolinguistischen Strukturen zu verdeutlichen, in denen sich meine Untersuchung bewegt, gibt dieses Kapitel zunächst einen Überblick über die all- gemeine Sprachsituation in Bolivien. Anschließend werden die jüngeren sozio- politischen Entwicklungen im Land und die aktuelle Sprach- und Bildungspoli- tik der Regierung Morales skizziert. Zuletzt widme ich mich in diesem Kapitel mit der Darstellung der Sprachsituation des urbanen Großraums von Cochabam- ba den spezifischen soziolinguistischen Bedingungen des konkreten Untersu- chungskontextes. 2.1. Sprachsituation/en in Bolivien Geographie und Bevölkerung Bolivien zeichnet sich durch große geographische, ökologische, kulturelle, eth- nische und sprachliche Vielfalt aus. Die knapp 10,5 Millionen Einwohner2 leben in zwei großen Makroregionen des südamerikanischen Binnenstaats, die sich aufgrund ihrer geographischen, demographischen und soziokulturellen Eigen- schaften deutlich voneinander unterscheiden. Die „Tierras Altas“ im Westen des Landes, die aus dem trockenen andinen Hochland („altiplano“), den subtropi- schen Hochtälern („valles interandinos“) und den „yungas“ an den östlichen Andenberghängen des Departements La Paz bestehen, unterscheiden sich von den feuchttropischen „Tierras Bajas“ im Osten. Diese weit in die Flußbecken des Amazonas und des Río de la Plata auslaufende Tiefebene umfasst die drei Unterregionen Amazonía, Oriente und Chaco (vgl. LÓPEZ 2006: 23, LÓPEZ und CENSABELLA 2009: 196, SICHRA 2009: 559). Die Grenzen zwischen diesen Makroregionen verlaufen weitgehend entlang der Höhenlinien, welche maßgeb- lich auch die klimatischen Bedingungen bestimmen.3 In den Tierras Altas lebt laut dem jüngsten nationalen Zensus von 2001 der Großteil der bolivianischen Bevölkerung,...

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