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Soziopolitischer Wandel und Sprachbewusstsein

Quechua-Spanisch-Bilinguale im urbanen Großraum von Cochabamba (Bolivien)

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Jurek Hentschel

Vor dem Hintergrund der jüngsten soziopolitischen Transformationsprozesse in Bolivien und unter besonderer Berücksichtigung der aktuellen Sprach- und Bildungspolitik der Regierung Morales wird die traditionell konfliktive Sprachsituation des Landes thematisiert. Mittels qualitativer Methoden empirischer soziolinguistischer Forschung werden Aspekte des Sprachbewusstseins bilingualer Quechua-Spanisch-SprecherInnen im urbanen Großraum von Cochabamba analysiert. Ziel ist das Herausarbeiten von Einflüssen der aktuellen Transformationsprozesse. Können diese positiv auf die ungesicherte Zukunft des Quechua einwirken? Im Fokus der Analyse stehen die Einstellungen der Bilingualen zu den beteiligten Sprachen, zum soziopolitischen Wandel und zur Sprach- und Bildungspolitik sowie der individuelle und gesellschaftliche Sprachgebrauch.

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3. Sprachbewusstsein

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Das so genannte Sprachbewusstsein bildet in der soziolinguistischen Erfor- schung von Situationen der Mehrsprachigkeit in einer Reihe von Studien den Untersuchungsgegenstand (so etwa bei SCHERFER 1983, GUGENBERGER 1995, CICHON 1998, GREVE 2006, NEUSIUS 2008). NEUSIUS verdeutlicht die Bedeu- tung des Begriffs für die soziolinguistische Forschung folgendermaßen: Die soziolinguistisch orientierte Konzeptualisierung von Sprachbewusstsein legt ihren Schwerpunkt auf die Beziehung zwischen gesellschaftlich-sprachlichen Bedingungen und deren Abbildung im Sprachbewusstsein. Sie interessiert sich für die sozialen Bedingungen des Erwerbs und der Verbreitung sprachbezogenen Wissens, für die Frage, wie gesellschaftliche Realität im Sprachbewusstsein abgebildet ist und wie sie sich letztendlich auf das Sprachver- halten auswirkt. (NEUSIUS 2008: 13) Hier zeigt sich, dass das Verhältnis und die vielfältigen Wechselwirkungen zwi- schen Sprache, Sprechern, Kommunikationssituationen und gesellschaftlichen Bedingungen in der soziolinguistischen Betrachtung von Sprachbewusstsein im Fokus des Interesses stehen. Trotz der vielfachen Verwendung des Sprachbewusstseinsbegriffs existiert keine eindeutige Definition. Eine Verwendung des Begriffs setzt daher nach CI- CHON (1998: 25) und NEUSIUS (2008: 9 f.) eine individuelle konzeptuelle Annä- herung voraus, die sich an den eigenen Forschungsinteressen und dem spezifi- schen Forschungskontext orientieren sollte. In diesem Kapitel wird daher ein eigener Sprachbewusstseinsbegriff vorgestellt, in den Erkenntnisse aus ausge- wählter Literatur zur Sprachbewusstseinsforschung einfließen. Zunächst muss festgehalten werden, dass es sich beim Sprachbewusstsein um einen theoretischen Begriff handelt, der nicht direkt empirisch fassbar ist. Die Inhalte eines Sprachbewusstseins können nur über den „Umweg“ der Ana- lyse von sprachlichem Handeln und metasprachlichen Äußerungen von Spre- chern...

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