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Schreiben in Ost und West

Ostdeutsche Autoren von Kinder- und Jugendliteratur vor und nach der Wende

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Maria Becker

Ostdeutsche Kinder- und Jugendbuchautoren waren nach der Wende gänzlich neuen Produktionsbedingungen ausgesetzt. «Der Kapitalismus muss gelernt werden ...» So formulierte es 2010 die ehemalige Cheflektorin des Kinderbuchverlags der DDR Katrin Pieper. Selbst renommierten Autorinnen und Autoren Ostdeutschlands ist dieser Lernprozess nur ansatzweise gelungen, sofern sie sich überhaupt darauf einlassen wollten. Den Strukturen des bundesdeutschen Kinder- und Jugendbuchmarkts entsprach ein Anforderungsprofil, dem die einst erfolgreichen DDR-Literaten kaum gerecht werden konnten. Im Zentrum der vorliegenden Studie steht das literarische Schaffen von sechs DDR-Autoren vor und nach der Wende von 1989/90: Christa Kożik, Wolf Spillner, Jutta Schlott, Peter Abraham, Uwe Kant und Günter Saalmann.

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2. Die konstitutiven Merkmale der DDR-Kinder- und Jugendliteratur

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Der Gegenstand KJL, systemtheoretisch verstanden als Handlungs­ und Symbol­ system, gliedert sich in eine literarische Ebene, die den Text fokussiert sowie in eine Handlungsebene, die Aktionen am Objekt Literatur meint (vgl. Kap. 3). Eine profunde Betrachtung der DDR­KJL führt beide Ebenen zusammen, denn die sozialistische KJL kann nicht autonom bzw. losgelöst von ihrer Geschichte oder den politischen Überzeugungen und gesellschaftlichen Prozessen des Landes beleuchtet werden. Mit der Entwicklung der Deutschen Demokratischen Repu­ blik gingen wesentliche Veränderungen der KJL einher, die sich grob in drei Phasen unterteilen lassen: a) Antifaschistisch­demokratische Kinder­ und Jugendliteratur der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) b) Aufbau und Ausbau sozialistischer Entwicklungsprozesse der 1950er und 1960er Jahre c) Neue Entwicklungstendenzen der 1970er und 1980er Jahre 2.1 Die antifaschistisch-demokratische Kinder- und Jugendliteratur von 1945 – 1949 Nach dem Ende des 2. Weltkrieges bestand ein umfassender Teil kinder­ und jugendliterarischer Erzeugnisse aus der Exilliteratur deutscher Emigranten: Auguste Lazar Sally Bleistift in Amerika (1935), Alex Wedding Das Eismeer ruft (1936), Max Zimmering Die Jagd nach dem Stiefel (1932). Fast alle im Exil ent­ standenen Werke demonstrierten eine dezidiert ablehnende Haltung gegenüber der faschistischen Ideologie und offenbarten einen Leserappell, der mit einer antifaschistisch­demokratischen Aufklärung und moralischen Erziehungsin­ tentionen einherging. In der Zeit des Aufbaus antifaschistisch­demokratischer Ordnungsstrukturen setzte sich die SED das Ziel, ihre Jugend „zu selbständig denkenden und ver­ antwortungsbewussten Menschen zu formen, sie im Geiste des Friedens und der Völkerverständigung zu erziehen“ (Ebert 1977, 17). Im Kampf um die „Gesun­ dung“ der...

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