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Die Aufklärung des Organspendeempfängers über Herkunft und Qualität des zu transplantierenden Organs

Ärztliche Pflichten im Spannungsfeld zwischen Standardbehandlung und Neulandmedizin

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Sebastian Müller

Der stetige Mangel an Organen in der Transplantationsmedizin hat dazu geführt, dass inzwischen Organe transplantiert werden, die noch vor einiger Zeit nicht übertragen worden wären. Die Arbeit befasst sich vor diesem Hintergrund mit der Frage, inwieweit der Organempfänger in den Entscheidungsprozess über die Akzeptanz eines Transplantates einzubeziehen und über die Herkunft und die Qualität des zu transplantierenden Organs aufzuklären ist.

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Kapitel 1: Einleitung

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1 Kapitel 1 Einleitung A. Einführung Im August 2012 verstarb eine 27-jährige Britin, 16 Monate nach einer bei ihr durch- geführten Lungentransplantation an Lungenkrebs. Kurz darauf erklärte der Vater in den Medien, dass seine Tochter der Organübertragung nicht zugestimmt hätte, wenn sie gewusst hätte, dass die Spenderlunge, die sie erhalten hatte, von einem Raucher stammt. Daraufhin entschuldigte sich die Klinikgesellschaft öffentlich, die Patientin nicht aufgeklärt zu haben und teilte mit, dass sie die Chance hätte bekommen müs- sen, selbst zu entscheiden. Zwar hatten die behandelnden Ärzte nichts von dem Tu- mor in der Lunge gewusst. Ihnen war jedoch bekannt gewesen, dass es sich um die Lunge eines Rauchers handelte.1 Die Aufklärung des Organempfängers ist, anders als die Aufklärung des Lebendor- ganspenders nicht gesetzlich geregelt.2 Wer sich im Schrifttum auf die Suche nach Ausführungen zur ärztlichen Aufklärungspflicht gegenüber dem Empfänger einer Or- ganspende und damit auch der Frage nach einer Aufklärungspflicht des Arztes über die Herkunft und die Qualität des Transplantates begibt, stellt schnell fest, dass diese Aspekte des Transplantationsrechtes, wenn überhaupt, nur sehr knapp abgehandelt werden. Häufig wird darauf verwiesen, dass es sich um einen Heileingriff handle und insoweit kaum nennenswerte Abweichungen zu üblichen ärztlichen Informations- pflichten bestünden.3 So erklärt Voll etwa, dass „die Einwilligung des Organempfän- gers […] in aller Regel keine Schwierigkeiten [bereite], weil die Organeinpflanzung für den Betroffenen eine Heilbehandlung“ sei.4 Der Organempfänger...

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