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Hausväter

im Drama Lessings und des Sturms und Drangs- Über deutsche Dichtungen 7

Wolfgang Wittkowski

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Väter und Töchterim bürgerlichen Drama

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Väter und Töchter im bürgerlichen Drama Das bürgerliche Drama bei Lessing und im Sturm und Drang gilt als „Sprachrohr“ der sich heranbildenden Mittelschicht für ihre „weltanschaulichen Ideale und gesellschaftlichen Postulate.“1 Der „Tugendidealismus“ dieser Vorarbeit zu einer „Gesellschaft, voll von harmonischen menschlichen Beziehungen,“2 erscheint heute freilich weithin unglaubwürdig. Fortwährend stößt man sich an „Widersprüchlichkeiten“3 innerhalb der Werke sowie an mehr oder weniger verdeckten moralischen Unzulänglichkeiten der Figuren. Gemessen einerseits am denkbaren Ideal sozialer und morali- scher Vollkommenheit und andererseits an Kategorien gegenwärti- ger Familien-Kritik ist die Enttäuschung logisch und verständlich. Für das 18. Jahrhundert dagegen verstand es sich von selbst, daß ideale Vollkommenheit dem Menschen unerreichbar sei. Vervoll- kommnung war gemeint als Annäherung, als Teil-Vollkommenheit. Diese christliche Mischung von Tugendidealismus mit Tugend- skepsis bildet die anthropologisch-moralische Basis für die drama- turgische Forderung Lessings und wenig später Merciers, die Figu- ren sollten „gemischte,“ „mittlere“ Charaktere sein, weder ganz gut noch ganz schlecht; und vor allem – was meist übersehen wird – eine Entwicklung durchlaufen. Mit demselben Realismus beschränkte man sich überwiegend auf die Anstrengung, zunächst die Menschen zu bessern und damit jene bessere Gesellschaft herbeizuführen, die man auch heute – so gern man auf den Vorrang utopischer `Verhältnisse´ pocht – sich nicht anders vorstellen kann denn als ein besseres Verhalten der Menschen zueinander. Diesem Ziel suchte man beizukommen statt Leicht überarbeitet aus Journal of English and Germanic Philology 92 (1993). 1 Horst...

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