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Hausväter

im Drama Lessings und des Sturms und Drangs- Über deutsche Dichtungen 7

Wolfgang Wittkowski

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Minna von Barnhelm oder die verhinderten Hausväter

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Lessings Untertitel seines Lustspiels – „oder das Soldatenglück“ – sei hier ersetzt durch das Thema, von welchem Bengt Algot Sørensen erklärt, man dürfe es bei der deutschen Literatur des 18. Jahrhun- derts, zumal beim Drama, unter keinen Umständen aus den Augen lassen:1 Herrschaft und Zärtlichkeit. Der Patriarchalismus und das Dra- ma im 18. Jahrhundert. Oder eben: Die Hausväter. Den Kern des gesellschaftlichen Lebens bildete in der Aufklä- rung die Familie, das Haus. Der Hausvater hatte das Sagen und die Vormundschaft, die Pflicht zu Fürsorge und Schutz. Die Mitglieder des Haushalts waren verpflichtet zu Gehorsam und zum Dienst. Das Modell brachte die Rolle des Hausvaters in wechselseitige Be- leuchtung, Bekräftigung und Kritik mit der Rolle Gottvaters, des Landesvaters und mit den Vaterrollen, die Bürgermeistern, Guts- herren, Beamten, Lehrern, Offizieren usw. zufielen. Der Literatur zufolge leiteten die Familienväter die Ihren zu- nächst vornehmlich durch strenge `Herrschaft,´ im Verlaufe des Jahrhunderts dagegen zunehmend durch Wohlwollen, `Zärtlich- keit.´ Es kam außer zu Verfehlungen zu Übertreibungen und Rück- fällen, nicht zuletzt unter den Nachwirkungen der Französischen Revolution und auch der Vorspiele zum Allgemeinen Preußischen Landrecht, das 1794 die gesellschaftlich-rechtliche Autonomie der Bürger mehrte, jedoch auf Kosten speziell der Hausväter-Autorität – nicht freilich auf Kosten der anderen `Väter´-Instanzen oder gar von `Vater Staat.´2 Lessings Väter verkörpern potentiell-tendentiell die damals ge- rade ideale Kombination von `Herrschaft und Zärtlichkeit;´ und 1 Bengt...

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