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En feo libro non feo saber

Untersuchungen zur Stellung der Todsünden im "Libro de buen amor</I> des Juan Ruiz

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Katrin Hedwig

Die Untersuchung befasst sich mit der kompositorischen Stellung und den semantischen Auswirkungen, die die Todsünden ( pecados mortales) im Libro de buen amor haben. Die historischen Vorlagen werden von Juan Ruiz literarisch transformiert. Die Analysen zur Morphologie heben unter verschiedenen Perspektiven ( pelea, penitencia, armas cristianas) die Einsätze gegen Anfang, Mitte und Ende hervor, die rezeptionsästhetisch interpretiert werden. Die Handlungen, in denen die Todsünden auftreten, kommen aus vorausgehenden Geschichten her, schlagen in Leerstellen um und gehen in andere Geschichten über. Die theologische Todsündenthematik übersetzt sich im Libro de buen amor in literarische Figuren und wird damit personalisiert. Aus den Handlungsfiguren lassen sich Interpretamente ableiten, die die Ambiguitäten, Umkehrungen und Spiegelungen im Text näher auslegen. Das Hauptthema des Werkes oder der cantus firmus geht in Begleitstimmen und kontrapunktische Variationen über, die sich als textuelle Polyphonie verstehen lassen.

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2. Hauptteil: Los pecados mortales

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2.1 Kontexte 2.1.1 Historische Perspektiven Die Art und Weise, wie Juan Ruiz die Überlieferungsgeschichte der Todsünden rezipiert, ist ungewöhnlich – keine genauen Angaben der Quellen, keine expliziten Zitate, wohl aber eine breite, doch verdeckte Kenntnis der Motive, die häufig er- weitert oder verändert werden. Auch wenn man, wie F. Lecoy122, die Quellen der pecados mortales historisch zu verifizieren sucht, bliebe immer noch das Problem bestehen, dass sie im Libro de buen amor literarisch umgestaltet werden. Es ist of- fensichtlich, dass diese Transformationen gegenüber der historischen Rückgriffe weiter reichen und komplexer verlaufen. Aber dennoch sind beide Seiten in glei- cher Weise zu berücksichtigen. Die literarisch aufgearbeiteten Themen stehen im- mer schon vor dem Hintergrund der Motiv- und Problemgeschichte, durch die sie als Topoi vermittelt werden. Die Geschichte der peccata capitalia oder der „Todsünden“ ist mehrfach123 ge- schrieben worden. Wenn man die peccata capitalia dagegen unter einer genuin li- terarischen Perspektive betrachtet, stellt sich eine doppelte Aufgabe. Die historisch überlieferten Inhalte wären in ihrem Übergang in die Literatur zu verfolgen, wäh- rend umgekehrt die literarischen Aufarbeitungen immer auch eine geschichtliche Absicherung besitzen, die zu klären ist. Die Sündenterminologien, die wir in den drei klassischen (oder „heiligen“) Sprachen finden, sind in ihrer Semantik weitaus reicher angelegt als die Sündenbe- griffe, die unter dem Einfluss der dogmatischen Theologien formuliert wurden. Im Hebräischen gibt es keinen eigenen Terminus für „Sünde“124, sondern der Sachver- 122 In den Recherches sur le...

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