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Der Besitzerwerb des Erben

Historische Entwicklungen, die Lösung des § 857 BGB und ihre Anwendungsprobleme

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Youn Seok Choi

Diese Arbeit verfolgt die mit dem Besitzübergang auf den Erben zusammenhängenden Fragen von den Anfängen durch die Entwicklungen in Rom und im deutschen Rechtskreis, mit Blick auch auf das ABGB und den Code civil, bis in die Gegenwart. Sie ergründet des Weiteren durch die Analyse der Gesetzesmaterialien zum BGB die Erwägungen, von denen sich der Gesetzgeber bei der relativ späten Normierung des fiktiven Besitzübergangs auf den Erben leiten ließ. Die nähere Kenntnis der historischen Hintergründe fördert Verständnis und Lösung der Probleme, die sich in der heutigen Praxis durch den automatischen Besitzerwerb des Erben ergeben.

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Schluss

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Die klassischen römischen Juristen unterschieden die possessio streng von der proprietas, Ulp. D. 41,2,12,1. Die klassische possessio ist kein Recht, sondern eine Tatsache, Paul. D. 41,2,1,3, die aus der tatsächlichen Sachgewalt (corpus) und dem Eigenbesitzwillen (animus) besteht. Die klassischen Juristen halten die beiden Elemente für keine selbstständigen Voraussetzungen, sondern für einen einheitlichen Tatbestand. Die klassische possessio (im Sinne des ius civile und ius honorarium) endet mit dem Tod des Possessors, weil der verstorbene Pos- sessor weder tatsächliche Sachgewalt ausüben, noch die geistige Fähigkeit ha- ben kann, eine Sache als eigene zu besitzen, Paul. D. 41,2,3,1. Der Tod des Pos- sessors zieht grundsätzlich den Verlust der possessio nach sich. Iav. D. 41,2,23 pr. geht neben Paul. D. 41,2,30,5 und Ulp. D. 47,4,1,15 davon aus, dass bei einem Erbfall der Erbe nur durch Besitzergreifung die possessio civilis an den Erbschaftsgegenständen erlangen kann. Paul. D. 4,6,30 pr. ist hingegen zu entnehmen, dass die possessio civilis des Erblassers bei dessen Tod ohne Un- terbrechung auf den Erben übergeht. Die Fortsetzung der possessio bezieht sich aber nur auf den Fall des Ersitzungsbesitzes, wie auch Gai. inst. 3,201, und sie ist dadurch gerechtfertigt, dass der Eintritt des Erblassers in die Ersitzungslage eine Rechtsposition begründet. Die Fiktion fortwährenden Ersitzungsbesitzes kann daher nicht als Grundlage für den automatischen Übergang jeglichen Be- sitzes auf den Erben...

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