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Kinder- und Jugendliteraturforschung 2012/2013

Herausgegeben vom Institut für Jugendbuchforschung der Johann Wolfgang Goethe-Universität (Frankfurt am Main) und der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz (Berlin), Kinder- und Jugendbuchabteilung

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Edited By Bernd Dolle-Weinkauff, Hans-Heino Ewers-Uhlmann and Carola Pohlmann

Die neunzehnte Folge des Jahrbuchs widmet sich der Kinder- und Jugendliteraturforschung im transnationalen Kontext mit dem zweiten Teil von Ave Mattheus’ Studie über die estnische Kinder- und Jugendliteratur und dem Bericht über die Siegener Forschungsstelle zur europäischen Kinder- und Jugendliteratur. Andre Kagelmann befasst sich mit den vergessenen Kinderbüchern Thea von Harbous. Auch die weiteren gegenwartsbezogenen Beiträge beweisen erneut, dass auch die Erforschung des breiten Spektrums aktueller Kinder- und Jugendmedien ihren Platz haben soll, wie die Ausführungen über Kinderbuchillustration, Manga und Medienverbünde zeigen. Darüber hinaus kommen klassische Literaturgattungen zur Sprache: die zeitgeschichtliche Erzählung für junge Leser und der moderne Jugendroman mit seinen vielfältigen Ausprägungen.

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Aufklärerische Literatur für estnische Kinder und Jugendliche. Deutsch-estnischer Kulturtransfer im Baltikum an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert (Teil 2): Unterhaltende (Fabeln, Rätsel, Romane, Gedichte) und religiöse Schriften Ave Mattheus (Tallinn) Die Grenze zwischen unterhaltender und sachlich bzw. moralisch belehrender Literatur ist äußerst durchlässig, vermitteln doch auch unterhaltende Schriften oft umfangreiches Wissen, angefangen mit Landeskunde und Naturlehre bis hin zu moralisch-sittlichen Normen. Der Un- terschied besteht vor allem im höheren Grad der Literarisierung und der stärkeren Annäherung an den kindlichen und jugendlichen Leser. Diese Züge werden am ehesten deutlich in der Stoff- und Formenwahl wie in der sprachlichen Gestaltung von Unterhaltungsschriften, die die kindliche Gedankenwelt und den kindlichen Ton nachzuahmen suchen. Dennoch existiert in der estnischsprachigen Literatur bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts kaum ein Bewusstsein von alterstypischen Wünschen, Bedürfnissen, Fähigkeiten oder Verhaltensmustern von Kin- dern.1 Im Aufklärungszeitalter sind nur wenige unterhaltende Werke für Kinder auf Estnisch erschienen, von denen einige in Kalendern abgedruckt wurden. Den Mangel an unterhaltender Literatur kann man unterschiedlich erklären. Zum einen haben wir es in Estland mit einer Volksaufklärung zu tun, die von der deutschen Oberschicht für die ländliche unaufgeklärte Bevölkerung geschaffen wurde. Es galt diese Adressaten zuallererst zu alphabetisieren und danach elementar, d.h. agrarökonomisch, medizinisch und sittlich-moralisch aufzuklären. Unterhaltung und Zerstreuung hätte die Bauern womöglich von ihren Pflichten abgelenkt. Man darf auch nicht vergessen, dass die wichtigsten...

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