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Martyrium

Variationen und Potenziale eines Diskurses im Zweiten Jahrhundert

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Nicole Hartmann

Ausgehend von der Annahme einer stark ausdifferenzierten Jesus-Bewegung bietet diese Studie eine dekonstruktive Lektüre von Texten aus dem zweiten Jahrhundert, in denen Hinrichtungen von Jesus-Anhängern als Martyrium überhöht werden. Sie konzentriert sich dabei auf die Aushandlungsprozesse christlicher Identität: in der Zuschreibung von Märtyrerautorität oder im Ausloten der Grenzen für eine Vorstellung von Märtyrern als Opfern – heilswirksames Selbstopfer versus Opfer der barbarischen Gegner. Der durch die Gewalterfahrung und in Auseinandersetzung mit innerchristlichen Widersachern gefärbte Gegnerdiskurs und die Affirmation der Bezeichnung Christiani bezeugen die (Selbst-)Konzeptualisierung der Autoren, ersten Leser und Hörer dieser Texte innerhalb des proto-orthodoxen Christentums.

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4. Das Christenspektakel von Lyon – eine ‚Demokratisierung’ des „Martyriums“

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4.1. Jesus-anhänger in Gallien Es bleibt unbekannt, auf welche Weise die botschaft vom auferstandenen Jesus als Christus nach südgallien kam und ab wann sich hier erste an- hänger zu einer bzw. mehreren Gemeinden zusammengeschlossen haben. die nur bei Eusebius in seiner Kirchengeschichte (Eus., h.e. 5.1,3–4,3) über- lieferten Ereignisse anhaltender ausschreitungen und maßnahmen gegen- über Jesus-anhängern aus den städten Lyon und Vienne müssen um 180 u.Z. als das erste und zusammen mit den schriften des späteren episkopos irenäus von Lyon vorläufig nördlichste Zeugnis der ausbreitung des christ- lichen Glaubens gesehen werden.374 1978 hat Glen bowersock noch argu- mente gesucht und vertreten, die gegen eine besonders enge Verbindung der gallischen Jesus-anhänger mit Gemeinden in Kleinasien in stellung gebracht werden konnten. Er hielt die adresse „an die brüder in asia und Phrygia“ im sogenannten Martyrium Lugdunensium für einen vor-eusebia- nischen, aber nach-redaktionellen Zusatz, der von der angegebenen Her- kunft des attalus (Pergamon, martLugd 1.17) und alexanders (Phrygien, martLugd 1.49) abgeleitet wurde.375 1995 revidierte er jedoch diese meinung und rehabilitierte die adresse als authentisch, da aufgrund von inschrif- tenfunden aus der Zeit marc aurels, auf denen Phrygia als prokuratorische Provinz mindestens nominell mit asia gleichrangig erscheint, die gleich- berechtigte nennung im Martyrium Lugdunensium auf eine sehr genaue Kenntnis der situation verweist, sodass man sehr enge Kontakte zwischen gallischen und kleinasiatischen Jesus-anhängern annehmen könne.376 dies wird auch dadurch deutlich, dass der bericht als brief verfasst ist...

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