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Martyrium

Variationen und Potenziale eines Diskurses im Zweiten Jahrhundert

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Nicole Hartmann

Ausgehend von der Annahme einer stark ausdifferenzierten Jesus-Bewegung bietet diese Studie eine dekonstruktive Lektüre von Texten aus dem zweiten Jahrhundert, in denen Hinrichtungen von Jesus-Anhängern als Martyrium überhöht werden. Sie konzentriert sich dabei auf die Aushandlungsprozesse christlicher Identität: in der Zuschreibung von Märtyrerautorität oder im Ausloten der Grenzen für eine Vorstellung von Märtyrern als Opfern – heilswirksames Selbstopfer versus Opfer der barbarischen Gegner. Der durch die Gewalterfahrung und in Auseinandersetzung mit innerchristlichen Widersachern gefärbte Gegnerdiskurs und die Affirmation der Bezeichnung Christiani bezeugen die (Selbst-)Konzeptualisierung der Autoren, ersten Leser und Hörer dieser Texte innerhalb des proto-orthodoxen Christentums.

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5. „Märtyrer“ als Christianoi – zur Frage der Identität von Jesus-Anhängern im Zweiten Jahrhundert

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Von vielen Jesus-anhängern aus dem 2. Jahrhundert kennen wir nur des- halb ihre namen, weil sie für sich mit einer gewissen absolutheit einen an- deren namen akzeptiert haben, der, wenn er als denomination gegenüber den römischen machthabern geäußert wurde, gleichzeitig ihren abschied vom Leben signalisierte. Erst durch die situation selbst – sich einem statt- halter oder Präfekten gegenüber zu finden, wurde die anhängerschaft des Jesus von nazareth unter der bezeichnung Christianos forciert und – wie dieses Kapitel aufzeigt – in bestimmten Kreisen der Jesus-bewegung zum allein gültigen identitätsmerkmal erhoben. am deutlichsten kommt dies in der Episode des sanktus aus martLugd 1.20 zum ausdruck: und da die ruchlosen Leute hofften, infolge der dauer und Härte der Foltern von ihm etwas ungebührliches zu hören, trat er ihnen mit einer solchen standhaftigkeit entgegen, dass er weder seinen eigenen namen, noch den namen des Volkes oder der stadt angab, woher er kam, und auch nicht sagte, ob er sklave oder Freigebo- rener sei; statt dessen antwortete er auf alle Fragen in lateinischer sprache: „ich bin Christinanos.“445 Hier werden also noch andere mögliche Kategorien zur bestimmung sei- ner Person aufgezählt, doch tritt sanktus in einem Lebensabschnitt auf, in dem nach seinem und des autors christlichem Verständnis keine davon mehr Gültigkeit besitzt.446 im Grunde dient die gesamte aufzählung nur der betonung seiner eindeutigen identifizierung als Christianos. Es ist weit- hin anerkannt, dass diese bezeichnung für ‚die frühen...

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