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(Post-)Jugoslawien

Kriegsverbrechen und Tribunale in Literatur, Film und Medien

Edited By Insa Braun, Ivana Drmic, Yannic Federer and Fabienne Gilbertz

Die Kriege im ehemaligen Jugoslawien und ihre Tribunalisierung erfahren weltweit eine intensive Reflexion in Literatur, Film und Medien. Dieser Band versammelt Aufsätze, die sich der künstlerischen und medialen Verarbeitung der postjugoslawischen Kriege aus unterschiedlichen Perspektiven widmen. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen sowohl literarische, filmische und theatrale Produktionen aus dem ehemaligen Jugoslawien, als auch künstlerische und journalistische Darstellungen aus Westeuropa und den USA. Die Beiträger fragen dabei nicht nur nach den Möglichkeiten und Grenzen einer Versprachlichung von Kriegsverbrechen, sondern problematisieren zudem die vielfältigen künstlerischen und medialen Perspektivierungen und Ästhetisierungsstrategien.

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Insa Braun / Yannic Federer. Einleitung

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Insa Braun / Yannic Federer Einleitung Als sich im Laufe der 1980er Jahre der Verteilungskampf zwischen den jugo- slawischen Teilrepubliken verschärfte und die föderative Republik zunehmend ihre Bindungskraft verlor, erstarkte auf serbischem Boden der Nationalismus. Bereits am 15. Mai 1982, vier Jahre vor dem berüchtigten Memorandum der Serbischen Akademie der Wissenschaften und Künste (SANU), warnten 21 Priester und Mönche in der serbisch-orthodoxen Kirchenzeitung „Pravoslavlje“ vor einem angeblich geplanten Genozid an den serbischen Kosovaren. Weitere Artikel folgten, serbische Schriftsteller und Wissenschaftler heizten die Stim- mung weiter an, bis sich Slobodan Milošević, Chef der kommunistischen Partei in Serbien, 1987 an die Spitze des neuen serbischen Nationalismus setzte. We- nig später war Milošević serbischer Präsident, die jugoslawische Teilrepublik Montenegro und die vormals autonomen Provinzen Vojvodina und Kosovo gleichgeschaltet und der jugoslawische Bundesstaat mit dem dadurch vorhande- nen serbischen Stimmgewicht blockiert. Nachdem in Slowenien das 1990 in die Regierung gewählte Mitte-Rechts-Bündnis die Abspaltung von Jugoslawien vo- rantrieb und die kroatischen Nationalisten unter Franjo Tuđman das politische Klima zusätzlich eskalieren ließen, war der blutige Zerfall Jugoslawiens nur noch eine Frage der Zeit.1 In einem bemerkenswerten Aufsatz des Philosophen Slavoj Žižek wird ein bedeutender Teil der Schuld am serbischen Nationalismus einer serbischen Lite- ratur zugeschrieben, welche die späteren Gräuel herbeigeschrieben habe. Glei- ches gelte für die nationalistischen Strömungen der anderen ehemaligen jugo- slawischen Teilrepubliken. Letztlich dürfte dies Žižeks Philosophenkollegen Plato zu später Genugtuung gereichen,...

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