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Schriften zur Synchronie und Diachronie des Deutschen

Herausgegeben von Andrzej Kątny, Michail Kotin, Elisabeth Leiss und Anna Socka

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Andrzej Katny, Michail L. Kotin, Elisabeth Leiss and Anna Socka

Das Buch stellt einen Ab- und Umriss des bisherigen wissenschaftlichen Lebenswerks Werner Abrahams dar. Werner Abraham, bis 2001 fast 30 Jahre lang Lehrstuhlinhaber für germanistische Linguistik und Mediävistik an der Rijksuniversiteit Groningen, bekleidete nicht nur akademische Lehrstellen auf der ganzen Welt, sondern hat auch mit über 700 wissenschaftlichen Publikationen auf den Gebieten der modernen Grammatikforschung, der Dialektologie, der übereinzelsprachlichen Typologie, des Deutschen als Fremdsprache und der semantisch-pragmatischen Analyse literarischer Werke nachhaltigen Einfluss ausgeübt. Die ausgewählten, ausschließlich deutschsprachigen Artikel dokumentieren relevante und bis heute produktive Anstöße für die Fächer Germanistische Linguistik und Allgemeine Sprachwissenschaft.

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1. Kerngrammatik – Satzsyntax

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Syntaktische Korrelate zum Lesartwechsel zwischen epistemischen und deontisch/volitiven Modalverben* 1. Rätselhafte Beschränkungen bei Modalverben Im Folgenden stelle ich einige merkwürdige syntaktische Beschränkungen bei Modalverben (MV) im Deutschen vor, die m.W. in der deutschen Grammatik bis- her unbeobachtet geblieben sind. Diese Einschränkungen beziehen sich auf den sys- tematischen Lesartwechsel zwischen „deontischer“ (bzw. volitiver) und epistemi- scher Bedeutung bei Modalverben mit eingebetteten Infinitiven, Einschränkungen bedingt durch Aktionsarteigenschaften sowie periphrastische Tempusbildungen. Diese Beschränkungen sind aufs erste ohne ersichtlichen Zusammenhang. In einem weiteren Abschnitt soll die Annahme entwickelt werden, dass deontische MV-Lesarten (kurz: DMV) und epistemische MV-Lesarten (kurz: EMV) sich hinsichtlich ihrer θ-Struktur unterscheiden: DMV projizieren eine θ-Rolle, EMV dagegen nicht. Diese komple- mentär verteilte lexikalische Eigenschaft soll mit aspektuellen Unterschieden zwi- schen DMV und EMV in einen quasi-erklärenden Zusammenhang gestellt werden. Zunächst also zu den isolierten nichttrivialen Beschränkungen, die DMV und EMV trennen. 1.1 EMV fehlt bei terminativer Einbettung Im allgemeinen haben MV zwei Lesarten: die modale Grundbedeutung (oben und passim abgekürzt „deontisch“ genannt) sowie die epistemische (in der Literatur auch „inferentielle“ oder „subjektive“ genannt). Die Formen der MV in den verschiedenen Tempora sind dabei homonym außer dort, wo sie umlautfähige Stammvokale haben (also bei durfte/dürfte, mußte/müßte und konnte/könnte. Vgl. (1a-c). (l) a. Er will/muß/kann/soll/mag zuhause sein … DMV, EMV b. Er durfte zuhause arbeiten … DMV, *EMV c. Er dürfte zuhause arbeiten … *DMV, EMV Wegen der formalen Unterscheidbarkeit lasse ich DMV/EMV-Oppositionen wie durfte/dürfte...

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