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Gagarin als Archivkörper und Erinnerungsfigur

Edited By Matthias Schwartz, Kevin Anding and Holt Meyer

Als erster Mensch im Weltraum umkreiste der sowjetische Luftwaffenoffizier Jurij Gagarin am 12. April 1961 in seinem Raumschiff Vostok die Erde. Mehr als 50 Jahre nach dem Ereignis und lange nach Ende des Kalten Kriegs genießt Gagarin weiterhin Aktualität. Der Körper des Kosmonauten lebt als eine grenzüberschreitende Erinnerungsfigur nahezu ungebrochen fort. Das Archiv seiner medialen Repräsentationen als Gast aus der Zukunft und Zeuge einer besseren Welt, als ewig lächelndes Kindheitsidol und zu früh verstorbener Himmelssohn, als russischer Recke und christlicher Heiliger ist genauso unerschöpflich wie ungeordnet. Die Aufsätze und Gespräche in diesem Buch wollen die seit über einem halben Jahrhundert automatisierten Wahrnehmungsmuster und Erzählverfahren über Gagarin als Archivkörper und Erinnerungsfigur kritisch reflektieren und damit einen Beitrag dazu leisten, das Reden und Denken über Gagarin wieder für kulturwissenschaftliche Debatten und künstlerische Interventionen zu Erinnerungskulturen und Gedächtnismedien, Archäologien des Archivs und Epistemologien des Erinnerns zu öffnen.

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Das TOTALE ARCHIV. Der Mann, der in den Kosmos flog und als Archiv zurückkehrte - Julia Fertig

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Das TOTALE ARCHIV Der Mann, der in den Kosmos flog und als Archiv zurückkehrte Julia Fertig Jubiläen wie der 50. Jahrestag des ersten bemannten Weltraumfluges lassen die Archivterminologie und -metaphorik wuchern. Häufig wird mit dem Terminus Archiv allerdings etwas bezeichnet, das konzeptionell eigentlich dem „kol- lektiven Gedächtnis“ näher steht.1 Mir gibt die Konzeptualisierung Gagarins als „Archivkörper“ Gelegenheit, mich theoretisch und terminologisch an den Be- dingungen und Prozessen abzuarbeiten, die das Archiv als Raum und Gesetz, als 1 Eine terminologische Differenzierung von „Archiv“ und „(kollektivem) Gedächtnis“ kann zum Beispiel anhand einer vergleichenden Lektüre der Gedächtniskonzeptionen von Jan Assmann oder Astrid Erll und den Archivbegriffen von Sigmund Freund und Jacques Derrida vorgenommen werden. In weiten Teilen der Fachliteratur scheint die Beziehung zwischen Archiv und Gedächtnis auf dem Prinzip „Form und Inhalt“ oder „System/Konfiguration und Objekt/Inhalt eines Systems/einer Konfiguration“ zu beruhen. Für mich relevanter zur Differenzierung der Konzepte ist das Begriffspaar Intentionalität und Akzidentialität in Bezug auf Entstehung und Infunktionssetzung der Institutionen Archiv und Gedächtnis, die letztlich verschiedenste diskursive Konfigurationen auf einer Skala der Überlieferungsformen zwischen Faktum und Fatum ermöglichen, vgl. Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen, München 21997; Erll, Astrid: Kollektives Gedächtnis und Erinnerungskulturen. Eine Einführung, Stuttgart 2005; Derrida, Jacques: Dem Archiv verschrieben. Eine Freudsche Impression, Berlin 1997; Freud, Sigmund: Notiz über den "Wunderblock", in: Ders.: Gesammelte Werke (17 Bände), Bd. 14, Frankfurt...

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